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Saxonia

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Samstag, 9. Februar 2008, 12:35

Unterwegs zur Küste

Als Kriemhilde diese persönliche Frage stellte, war Hantaoma erstmal ein wenig verwirrt. Er hatte in dieser Situation mit anderen Fragen gerechnet. Bei weiterhin schnellem Schritt begann er zu erzählen:
"Nun, ich stamme aus den südlichen Ländern, genauer gesagt aus der Provinz Vandali. Unser Stamm ist für seine Krieger bekannt, was man ja vielleicht auch am Namen erkennen kann." Er schmunzelte. "Mein Vater hatte in der berühmten Schlacht von Waldgirmes gekämpft und wurde als einer der besten Krieger vom König geehrt. Schon in jungen Jahren hat mich mein Vater den Schwertkampf gelehrt. Als ich dann in das Mannesalter kam habe ich mich der Armee unseres Landes angeschlossen und habe mich da auf den Zweihandschwertkampf spezialisiert. Persönlich habe mir dann noch einige Kenntnisse als Waldläufer angeeignet. Eines Tages wurde ein ranghoher Ritter auf mich aufmerksam, als ich ihm eine Nachricht überbrachte. Er stellte mich in seine Dienste ein und ich arbeite für ihn als Späher und Nachrichtenüberbringer. Außerdem konnte ich bei ihm meinen Schwertkampf weiter perfektionieren. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zwischen uns. Nun, den Rest kennt ihr ja, er wurde gefangen genommen und er hat mir aufgetragen hier hinauf in den Norden zu kommen, um den Magierinnen die Nachrichten kund zu tun."

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Samstag, 9. Februar 2008, 18:26

Unterwegs zur Küste

Kriemhilde lief schweigend neben ihm her. "Ich dachte mir schon, dass Ihr Euren Entsender besser kennt, aber dass es ein guter Freund und Meister ist, konnte wahrlich niemand ahnen..." Nachdenklich blickte sie ihren Bogen an und begann zu erzählen, den Blick auf das noch ein Stück entfernte Meer gerichtet:

"Als ich nach Menschenjahren noch ein Kind war, etwa acht oder neun, wurde unser kleines Dorf in den Goldenen Wäldern von ein paar raubenden Trollen bis auf die Grundfesten zerstört. Meine Mutter wurde dabei schwer verletzt und erlag später auch ihren Verletzungen. Mein Vater sowie alle Männer des Dorfes wurden zusammengetrieben und in eine winzige Scheune eingepfercht. Dann zündeten die Trolle die Scheune an... Die Schreie waren grauenhaft. Kein einziger Krieger konnte entkommen, sie wurden von den Flammen verschlungen." Ihre Augen schimmerten feucht, Kriemhilde schluckte.

"Seitdem wohnte ich mit meiner Großmutter zusammen und um sie beschützen zu können, lernte ich den Umgang mit dem Bogen und dem Dolch. Ich übte jeden Tag mehrere Stunden, nach der Schule, in jeder freien Minute. Niemals mehr sollten sie uns überfallen, ohne Gegenwehr zu spüren."

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Saxonia

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43

Sonntag, 10. Februar 2008, 21:14

Unterwegs zur Küste

Sie liefen eine ganze Weile schweigend nebeneinader her, Hantaoma hätte wahrscheinlich sowieso nicht viel zu Kriemhildes schwerer Kindheit sagen können. Er merkte wieder mal, dass er doch eine recht einfache Jugend hatte. Aber genauso wusste er jetzt, dass Kriemhilde auch eine gefährliche Kriegerin war.

Sie kamen aus dem Wald und betraten sofort steinigen Boden. Es roch nach Salz und in kurzer Entfernung lag das Wasser, die Wellen brachen ruhig, erst kurz vor der Küste. So schön dieser Anblick war, desto gefährlicher sah es aus, wenn man den Blick etwas weiter nach draußen auf das Meer schwenkte. Mindestens zwanzig Schiffe lagen dort, alle mit einem Zeichen auf den Segeln, das Hantaoma kannte. Es war ein roter Drache auf schwarzem Grund, mit einem goldenem Lorbeerzweig umrundet. Das Zeichen des schwarzen Bundes der Menschen. In ihm waren die Frisii, die Bastarnae und die Saxones vereint. "Nun ist es also soweit" sprach Hantaoma.
Erst jetzt merkte er, dass Kriemhilde schon ein ganzes Stück weitergegangen war. Sie war ein Stück strandaufwärts gegangen und suchte dort etwas im Boden. Hantaoma war schnell bei ihr und fragte: "Was suchst du, hat es etwas vom leeren Schiff an Land gespült?"

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Sonntag, 10. Februar 2008, 21:22

Unterwegs zur Küste

Nachdenklich drehte sie das kleine Amulett in der Hand und hielt es Hantaoma hin. "Sieh mal... Da ist die Tyr-Rune drauf... Das kann nur eines bedeuten: Hier müssen auch Wikinger sein, außer den bösen Menschen, die dort mit ihren Schiffen liegen..." Sie schloß die Hand um das Amulett und stand auf und blickte auf die schauderhaften Schatten auf dem Meer. "Aber wo ist das Schiff dazu?"

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Sonntag, 10. Februar 2008, 23:04

In Gunlödds Haus

Die Zeit schleppt sich langsam, wenn man wartet. Gunlödd und Lynagh stöberten in einigen Pergamenten, machten dann Feuer im Kamin, kochten Tee und setzten sich mit einigen häuslichen Arbeiten dazu. Die Wolle mußte gesponnen werden und wie es schien war das Hauspersonal verschwunden. Hoffentlich weggelaufen und nicht als Sklaven erbeutet...Wer hier aber auch gewesen war, ließ alle Vorräte wo sie waren und es war auch nichts gestohlen, so auf den ersten Blick gar nichts. Bloß die Pferde und das Vieh und die Ställe ausgebrannt. Da die Schafe, die jetzt auch alle weg waren, vor einer Woche geschoren wurden und alle Wolle, den Göttern sei Dank, in einer Kammer unbeschädigt gelagert war, gab es eine Menge Arbeit. Wolle spinnen und Stoffe weben. Olaf war draußen, suchte nach Spuren und bewachte währenddessen das Anwesen. Gunlödd und Lynagh fanden zwei Spinnräder, die sie zum Kamin stellten und verarbeiteten die gekämmte und gewaschene Wolle und verbrachten wenigstens die Zeit des Wartens mit einer Beschäftigung, die irgendwie beruhigte. Die vollen Spindeln mehrten sich und Gunlödd erzählte von ihrem Mann, der gerade am königlichen Hof verweilte, wo der Sohn gerade die Pagendienste bei der Ritterrunde verrichtete. Es war ganz gemütlich und es könnte eigentlich wirklich gemütlich sein unter anderen Umständen. Die Armspange lag noch immer auf dem Tisch und erinnerte sie, daß Kriemhilde und Hantaoma irgendwo am Strand waren und vielleicht nicht ohne Gefahr. Nur das Feuer im Kamin prasselte fröhlich, die Spinnräder surrten, man hörte durch die offenen Fenstern Frösche im nahen Sumpf quaken und manchmal auch Olafs Schritte als er vorbeiging.

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Dienstag, 12. Februar 2008, 13:57

Unterwegs zur Küste

Als sie beide am Strand entlang wanderten fanden sie ab und an Holzstücke auf den Steinen, welche von dem leeren Schiff stammen könnten. Doch irgendetwa größeres fanden sie nicht. Es war sehr mystisch wie das Schiff abhanden kommen konnte. Oder ist es etwa vor der Küste gesunken? Wurde es von den anderen Schiff einfach so angegriffen?

Doch außer diesen Fragen war für Hantaoma eines noch viel verwirrender: Was haben die Wikinger jetzt hier zu suchen?

Er fragte Kriemhilde: "Sollen wir lieber wieder zurück zu Günlodds Haus gehen? Vielleicht haben sie ja etwas in den Büchern gefunden. Oder möchtest du noch weitersuchen? Ich denke so kommen wir hier nicht weiter."

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47

Dienstag, 12. Februar 2008, 15:18

Unterwegs zur Küste

Kriemhilde seufzte und holte die Rune am Lederband wieder aus ihrer Tasche. "Du hast Recht, wir können hier nichts mehr finden... Kehren wir zurück." Sie betrachtete die Rune, die vermutlich einem Wikinger gehörte. "Hmmm... Es ist seltsam... Diese Rune strahlt zugleich Ruhe und Kraft aus... Es muss einen triftigen Grund geben, weshalb die Wikinger hier sind!" Dabei rief sie sich den kleinen Ausschnitt aus Olaus Magnus' Karte zurück ins Gedächtnis. "Ich bin gespannt, wie sie aussehen... Hast du schon einmal einen gesehen?" Langsam machten sie sich auf den Rückweg.

"Meine Großmutter erzählte mir als ich noch ein Kind war, dass es ein fernes Land gibt, das riesig ist! Und sie sagte mir, ein Händler namens Bjarne fand es einmal zufällig und berichtete in Grönland davon, wohin er ursprünglich wollte. Dann machten sich Wikinger auf die Reise, die das Land wieder finden wollten. Sie erzählte mir, dass der Mann ein Sohn von einem rothaarigen und rauen Kerl, man nannte ihn Erik den Roten, war. Sein Sohn, Leif Eriksson entdeckte dieses Land und nannte die Stelle, an der er landete, Vinland, weil wohl ein Germane an Bord war, der dort wilden Wein wachsen fand, den er aus seiner Heimat Germania kannte. Sie erzählte mir, dass die Wikinger dort zu siedeln begannen und ein anderes Urvolk dort vorfanden. Und dann erzählte sie mir noch etwas, das machte mir damals schon Angst." Kriemhilde wurde ernst. "Sie sagte mir, dass einmal von einem anderen Land Schiffe kommen würden, mit Menschen, die den Wikingern ihren Glauben und ihre Rituale wegnehmen wollen: Sie nannte sie Christen. Die Christen würden sie ungläubig nennen und ihnen die Götter nehmen!" Sie warf wieder einen Blick auf die Rune und blickte dann Hantaoma an. "Glaubst du...?"

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Mittwoch, 13. Februar 2008, 12:47

Unterwegs zur Küste

"Also Kriemhilde, ich kenne das Volk der Wikinger. Sie sind ein paar kräftige und raue Burschen, aber wenn man sich einmal ihre Freundschaft erarbeitet hat sind sie Partner in allen Lagen. Unser Stamm hat ein paar wenige Kontakte zu Wikingern, allerdings nicht wirklich viel. Ab und an erhalten wir Nachrichten von ihnen über gewonnene Schlachten und ähnliches. Die Wikinger sind äußerst gute Krieger, noch um einiges besser als unser Stamm, und der ist schon sehr gut!"

Auch Hantaoma wurde jetzt ernst: "Nun, auch den Begriff der Christen habe ich schoneinmal gehört. Aber ihre Geschichte war mir so sonderlich, das ich eher dachte es wäre eine Sage. Aber ich kann dir versichern das das da draußen auf dem Meer keine Christen sind, soviel ich weiß verwenden sie ein anderes Symbol, ein Kreuz. Und das da ist der schwarze Bund der südlichen Menschen, die sind bestimmt nicht christlich!" Ein leichtes LAchen konnte Hantaoma sich bei dieser Vorstellung doch nicht verkneifen.

Als Hantaoma fertig erzählt hatte waren sie schon fast wieder an Günlodds Hütte, ruhig stieg der Rauch aus dem Schornstein...

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Mittwoch, 13. Februar 2008, 22:39

In Gunlödds Haus

„Der junge Krieger und die Elbe kommen!“ rief Olaf, der plötzlich in der Tür stand. Gunlödd schenkte schon zwei Becher Tee ein und als die zwei erschienen, war schon einige Erfrischung auf dem Tisch. Sie setzten sich und Hantaoma wollte schon erzählen, als die Elbe, ohne ein Wort zu sagen, ihre Hand öffnete in der das Amulett mit der Tyr-Rune lag.

„Tyr-Rune, hm. -, t, beschert dem Träger Sieg im Krieg , die Rune Tyrs, der seinen Schwertarm beim Anketten des Fenrirs opferte,“ sagte Lynagh. „Sie steht für Ehre, Heldentum, Gerechtigkeit, Anständigkeit, Ritterlichkeit; sie verkörpert allgemein Das Große Gesetz des Nordens. Sie bringt dem Träger Ehre, Heldentum, Kraft der Tat und des Verlangens nach dem Höheren. Diese Rune, wenn man sie anbringt an Waffen und Amuletten, schützt und durch die Jahrhunderte repräsentiert sie das Aufopfern für den Sieg, nicht kurzfristig sondern für die Ewigkeit. Fürchte dich nicht, der Tod kann dich nicht töten, denn erinnere dich des Wortes, was niemand kannte und welches Odin in Balders Ohr flüsterte: die Wiedergeburt. - Nach Ragnarök die Wiedergeburt. Auch Tyr ist wiedergeboren, obwohl er dazu bestimmt war durch Garm mit der Blutigen Brust, den Hund aus Helheim, zu sterben... er starb, aber er erschien dann wieder in der neuen Welt - oh, die zwölfte Rune, t sei gesegnet, sei mit uns höret dieses alte Lied, das immer meine Großmutter Elanor, die 19. Wächterin des Großen Randes sang.“ Lynagh nahm die Harfe, die in der Ecke der Kammer stand und sang leise:

„Die Zwölfte hab ich:
Wenn auf einem Baum ein Mann aufgehängt war
Am Baum des Lebens mit Wurzeln im Tod.
Ein Mann, erstickt im Strick ganz oben hoch;
Und dann schreibe ich einige Runen
Und der Mann klettert nach unten und spricht zu mir.

Und auch er fliegt davon, befreit
Wie aus der Asche wiedergeboren
Der „fanisk“ (phoenix), der Leuchtende
Der junge Tyr, der Gott der Sonne und des Schwertes.“

Das Lied erklang mit leisen Tönen. Ich glaube, daß die Armspange irgendwie zu dem Amulett gehört, aber wie kam sie hierher, wer trug sie eigentlich? grübelte Lynagh während sie auf der Harfe die letzten Akkorde spielte.

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Donnerstag, 14. Februar 2008, 16:29

In Gunlödds Haus

Nachdem Gunlödd gehört hatte, was Lynagh über das Amulett zu berichten wußte, stand sie nachdenklich von ihrem Platz auf und sagte: "Ich werde uns in der Küche eine Kleinigkeit zu Essen bereiten und dann packe ich ein paar Sachen, die wir gebrauchen können. Ich lasse eine Nachricht an meinen Mann und Sohn hier, an geheimer Stelle und dann sollten wir vor Einbruch der Dunkelheit den Rückweg zur Taverne antreten. Es wird das Beste sein, wenn ich mit euch zurück reite und wir vereint oben am großen Rand sind, um die Geschehnisse zu beobachten und vor allem müssen wir die Schiffe im Auge behalten, vielleicht konnten Freydis, Thjodhild, Gudrid und Bjarni schon etwas über sie in Erfahrung bringen. Olaf und Hantaoma, seid bitte so nett und tragt inzwischen alles, was noch in der Speisekammer ist zusammen und bringt es hinaus zu den Pferden. Kriemhilde, schau dich ruhig in der Bücherei um, vielleicht findest du noch Hinweise auf das Amulett."

Lynagh war noch immer mit der Armspange und dem Amulett beschäftigt. Gunlödd ging nun raschen Schrittes in die Küche, nur keine Zeit verlieren, dachte sie.

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Lynagh

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Samstag, 16. Februar 2008, 03:03

Die Satteltaschen wurden gepackt und Lynagh packte auch eine Menge der Wolle ein. Alles andere und viele kostbare Dinge wurden unter Schloss und Riegel und durch eine Rune geschützt im geheimen Keller verstaut, denn das Haus würde leer sein ohne die Diener und Gunlödd wußte nicht, wann ihr Mann und Sohn wieder zurück kommen. Sie konnte auch keine Nachricht schicken, denn ohne Diener war auch kein Bote da und Hantaoma war auf dem Großen Rand bitter nötig. "Wir müssen jetzt gut aufpassen," sagte Lynagh. "Die Wälder waren ruhig als wir am Morgen hierher ritten, aber es kann sich in der Zwischenzeit viel geändert haben. Ich werde froh sein, wieder in der Taverne zu sein, denn zum Großen Rand und meiner Storegga Stuga ist es ein Sprung und von dort sehen wir auch das Meer. Außerdem schützt uns dort auch der Magische Kreis."

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Im Wald hatte sich tatsächlich manches geändert. Das erste, was die Gesellen sahen, war ein goldener Krug, der an einem Ast hing. „Falle,“ sagte Lynagh. „Wer den Krug packen will, auf den fällt ein Netz oder es ist eine Fanggrube unten. Es sind wahrscheinlich Fallen der Hexe Bryn und der Trolle. Bryn saugt das Leben aus dem Opfer und wird dadurch jünger und die Trollen tun es für Menschenfleisch. Eine primitive Falle eigentlich, aber doch wirksam, denn viele Menschen sind habgierig und denken nicht nach.“

Hinter einer Kurve bei einem großen Felsen lag eine Grotte. „Paßt auf, es liegt ein böser Zauberspruch auf diesem Weg. Zwei Runen, Naudiz und Mannaz, N M, ist Need und Mensch." Vor der Grotte war ein Stein und dort war geschrieben:
Ek godagastiy runo faihido Ek goðagastiz runo faihido, Ich, Gudagastiz, habe die Runen geschrieben.

Lynagh nahm ihren Stab und sprach die Beschwörung „Unterstes nach oben“. Die Grotte wendete sich und brach bleiche Gestalten aus, die schnell verschwanden, ekliger Schleim und ein Haufen abgenagte menschliche Knochen. „So, so... Es ist der Einang-Stein, Gudagastiz' Falle. Gunlödd kennt ihn auch, er ist ein böser Magier und viel mächtiger als Bryn. Ein grausamer Zauberer und sein Mantel ist aus Menschenleder. Wer diese Wesen sind weiß ich nicht, aber dass es Gudagastiz' Gefolge und Menschenfresser sind sehen wir ja. Das Böse fühlt sich irgendwie stark heute, denn auf diesem Weg zum Großen Rand hatten wir diese Fallen nie. Wie ich sagte, paßt auf, wir müssen jetzt langsam und vorsichtig durch den Wald." Sie wandte sich direkt an den jungen Krieger: "Hantaoma Olaf kennt sie bereits; spricht nicht mit einer schönen Frau, die schwarz und silbernes Haar hat und Euch einmal zufällig im Wald begegnet, es ist die Hexe Bryn und wenn sie wieder jung ist, fängt sie durch ihre Schönheit junge Männer. Alles Trug natürlich, sie ist in Wirklichkeit eine abscheuliche Person. Und hebt keine Pergamentbehälter auf, die vielleicht im Wald irgendwo liegen können. Die heißen Sasamor und enthalten einen Fluch, der den Finder bindet, verwirrt oder fügsam macht.“

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Mittwoch, 20. Februar 2008, 07:39

Gunlödd hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, das ihnen jemand folgte. Mehrmals schaute sie zurück, konnte aber nichts und niemand entdecken. So gingen alle weiter immer auf der Hut.

Während Gunlödd einige Schritte hinter den anderen blieb. Ihre Augen suchten aufmerksam nach dem Geräusch, welches sie vernahm...ähnlich einem rascheln, aber dennoch kaum wahrzunehmen. Fast glaubte sie schon, sich getäuscht zu haben, als sie sich erneut umblickte und etwas helles in einem Busch sah.

In der Dämmerung die bereits einsetzte, konnte sie jedoch aus dieser Entfernung nicht erkennen was oder wer es war. So ging sie langsam darauf zu... nein, ein Gegenstand kann es nicht sein, es scheint sich zu bewegen. Sie stand nun unmittelbar davor, hockte sich nieder und schob die Blatter bei Seite...fast stockte ihr Atem, beim Anblick dessen was sich ihr nun zeigte.

Ein weißer Rabe.

Sie war sich fast sicher gewesen, daß es keinen einzigen seiner Art mehr gab und nun...nun wird sich alles zum Guten wenden.

Er schien keine Furcht vor ihr zu haben und ließ sich mit beiden Händen aufnehmen. Gunlödd betrachtete ihn, er muß verletzt sein, wieso sollte er sich sonst auf dem Boden fortbewegen, wo er doch fliegen könnte. Vorsichtig hob sie ihn so weit hoch, bis sie in seine kleinen schwarzen Augen blicken konnte. In ihren Händen spürte sie sein kleines Herz schlagen, aber keineswegs erregt, sondern ganz ruhig und ebenso spürte sie den Schmerz, der durch seinen Leib zuckte bei ihrer Berührung.

Liebevoll strich sie über sein weißes Federkleid und flüsterte: "Jetzt bist du in Sicherheit, aber wie ist dein Name?" "Halvard" flüstert der Rabe, bevor sein Kopf vor Erschöpfung zur Seite sank.

Sie rief nach den anderen: "Haltet ein." Hantaoma, der als letzter in der Gruppe lief, drehte sich sofort mit erhobenem Schwert um, immer kampfbereit.

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Mittwoch, 20. Februar 2008, 19:28

Die anderen schauten Hantaoma etwas verwundert an, wie er denn so schnell sein Schwert ziehen konnte. Er erklärte: "Es war eine ganz normale Abwehrreaktion, entschuldigt. Aber es war so still und ich hatte, naja ..." Er kam ein wenig in Erklärungsnot, aber die anderen schien es kaum zu interessieren. Vielmehr schienen sie den weißen Raben zu bewundern. Günlodd, Kriemhilde und Lynagh drängten sich jetzt um den Raben, um ihn mit allen Mitteln, die ihnen hier im Wald zur Verfügung standen am Leben zu halten. Olaf und Hantaoma drängten allerdings zur Weiterreise, es war eigentlich nicht mehr weit bis zur Taverne, aber dieses Stück hatte keinen richtigen Weg mehr und es ging sehr eng zwischen den Bäumen hindurch.
Nun war die Frage wie man den Raben am besten transportiert, es war offensichtlich, dass er in der Taverne besser versorgt werden konnte.

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Mittwoch, 20. Februar 2008, 20:29

Kriemhilde suchte ein paar dünne Laubstöcke zusammen und verknüpfte die kleinen Zweige geschickt miteinander, sodass eine Art Nest daraus wurde. Ein wenig stolz blickte sie auf: "Reicht das vielleicht?" Sie gab es Gunlödd und diese legte vorsichtig den weißen Raben hinein, dessen Kopf kraftlos herunter hing. "Wir sollten weiter gehen, wer weiß, was uns noch erwartet? Außer dem sollte dieser ungewöhnliche Rabe hier dringend in die Taverne, dort können wir ihn besser versorgen..."

Also machte sich die kleine Gruppe wieder auf den Weg. Kriemhilde runzelte die Stirn: "Meine Urgroßmutter hat mir viele Geschichten erzählt... Auch eine Sage von einem Sonnengott, der hatte auch Raben als Botschafter. Zu der Zeit waren sie alle weiß. Eines Tages brachte ihm einer seiner Raben die Nachricht, dass die Frau des Gottes fremd ging. Da ließ er die Gattin töten. Er ärgerte sich so sehr, dass der Rabe, der ihm die Botschaft brachte, schwarz wurde." Sie stieg über eine Wurzel, die aus dem Boden ragte. "Ich bin gespannt, was er zu erzählen hat, wenn er zu sich kommt..."

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Mittwoch, 20. Februar 2008, 22:54

„Oh wie konnte ich es bloß vergessen, ich habe hier noch die Wolle zum Spinnen,“ sagte Lynagh. Sie kramte im Korb und machte es mit einiger Wolle dem Raben in dem Nest noch gemütlicher. Im Wald war es schon dunkel und obwohl es draußen noch hell war und die Sonne schien, da es erst der späte Nachmittag war, war es zwischen den dicht beieinander stehenden Bäumen bereits wie am Abend und irgendwie unheimlich.

„Ja, wir sollten uns wirklich beeilen,“ fügte sie dabei noch nach einigen Schritten. „Ich freue mich darauf, wieder in der Taverne zu sein. Man weiß nie, wem wir hier noch begegnen könnten. Jedoch, die Trolle sind sicher noch hinter der geheimnisvollen Gestalt her und Bryn ist eigentlich faul. Wenn sie nicht unbedingt ihre Jugend erneuern muß, sitzt sie in ihrer Burg und experimentiert mit den Künsten der schwärzesten Magie. Gudagastiz wird sich wahrscheinlich ärgern, weil ich die Grotte umkehrte, bei ihm weiß man nie so recht was er tut. Vor Ragnir dem Höllenschlund brauchen wir uns wenigstens nicht zu fürchten, der wohnt weit weg beim Elivagar-Fluß [Eiswellenfluß], weit im Norden, wo die Grenze zwischen unserer Welt und Jötunheim ist. In der Eiswüste des Nordens. – Wenn wir wieder zurück sind werde ich Modgudur aufrufen, die Jungfrau des Todes, welche die Gjöllbrücke bewacht. Sie weiß Vieles.“ Lynagh mußte lachen, als sie die verwunderten Blicke der Gesellen sah, als sie sagte, daß sie mit einem Skelett spricht.

- „Tja, sie ist ein Skelett, aber trotzdem auch eine Frau und sie kennt die Einsamkeit und sie kennt auch die Wächterinnen des Großen Randes. Die alte Völva war auch mal eine Wächterin des Großen Randes und die weiseste Frau, die es je gab und alle Wächterinnen besuchten immer regelmäßig aus Pietät ihren Grabhügel, das ist nunmal unsere Tradition; auch ich tue es. Dazu müssen wir jedoch über die Gjöllbrücke, denn der Pfad zu der Grabstätte biegt gerade vor der Helpforte von dem Helweg ab. Sie beschützte uns immer vor dem Helhund Gram und auch ein Skelettmädchen plaudert mal gerne, wenn sie dazu Gelegenheit hat. Sie verläßt nicht ihren Posten, das nicht, da sie ständig aufpassen muß, damit der Gram nicht in die Welt hinaus bricht. Man kann mit ihr dank eines schwarzen Diamanten reden. Nicht für lange Zeit, denn sie ist immer damit beschäftigt, die Gestorbenen weiter zu leiten. Gram gehorcht ihr, denn jedes Wesen hat Respekt vor derTochter des Todes und der schwarzen Valküre, die sie eigentlich ist. Ich werde euch noch mehr darüber erzählen, so geht die Reise schneller, aber vergeßt nicht die Augen und Ohren offen zu halten, auch wenn ihr mir zuhört“, sagte Lynagh und holte Luft.

„Im Helheim sind die elf großen Flüsse, die alle Nebenflüße des Elivagar sind und ihn mit ihrem Gift füllen, Svöl, Gunnthra, Fjörm, Fimbulthul, Slid, Hrid, Sylgr, Ylgr, Vid, Leiptr und Gjöll. Da gibt es noch viele kleineren Giftströme, aber diese elf sind wirklich große Flüsse. Gjöll ist der Fluß, der bei der Helpforte fließt. Und Elivagar mündet am Angststrand. Der Schwarze Diamant, muß ich euch auch noch erklären, ist kein Stein sondern eine Pforte durch Raum und Zeit, ein Mosaikstein in der Runden Kammer der Storegga Stuga, die einen zur Gjöllbrücke führt; anders kommt man dort nie hin, wenn man noch lebt. Die Gjöllbrücke zu überqueren ist für uns normale Sterbliche nur eine Reise in eine Richtung. Nur die Götter und einige Jotuns und die Thursen und natürlich die Magier und Hexen, wenn sie den Weg finden, können auf diesem Weg hin und her reisen. Ich bin dem Tod schon zweimal begegnet und weiß wie er aussieht. Ein Mann, ein schöner Mann, kein Skelett, keine schwarze Gestalt. Er sieht eher aus wie ein Schatten, grau und eine schlanke elegante Gestalt, er ist ein Herr, wahrlich ein großer, feiner Herr. - Ja, ich begegnete ihm, er stand in einem größeren Abstand und rief mir zu: ‘Deine Zeit ist für dich noch nicht gekommen.’ Ich habe keine Angst vor ihm, denn er ist barmherzig, der Tod, wenn er kommt. Manchmal kommt er, da er Menschen von grausamen Umständen oder Leiden erlösen muß und wie ich erfuhr in dem kurzen Gespräch, auch er selbst findet es nicht richtig, wenn er es tun muß, nur weil jemand jemandem Böses tut, ermordet oder anders gewaltätig jemand an sein Ende kommt. Die Helden und Krieger gehen danach mit den Valküren mit, andere in die grauen Grotten, aber die wirklich schlechten Menschen enden letztendlich am Strand der Angst, wohin sie die Hella schickt, wenn diese vor ihr in ihrem Saal erscheinen und dort am Angststrand kriegen sie es mit den Meistern der Qual und Grausamkeit zu tun. Die Meister der Qual nennen ihre Arbeit ‘Die Fünf Foltern’: Schmerz, Leiden, Verzweiflung, Wahnsinn und die Leere. Das Leben eines jeden Menschen macht ihn für diese Art der Folter zugänglich und sicherlich gerade dann, wenn man ein schlechtes, böses Leben führte. Und wie ihr alle wißt, nachdem die Meister der Qual mit ihrer Arbeit fertig sind, werden die Leichen in Hvergelmir kochen und die Knochen dienen dem Drachen Nidhuggur und den Schlangen Moinn und Goinn als Futter.“

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Saxonia

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56

Sonntag, 24. Februar 2008, 17:48

Sie kamen aus dem Wald heraus, während Lynagh ihr Wissen an die Gruppe weitergab. Man konnte von hier aus schon die Taverne sehen und es war nicht mehr weit. Man konnte in allen Gesichtern eine Erleichterung feststellen und auf einmal wollten auch die Pferde wieder schneller laufen. Doch irgendetwas stimmte nicht. Als sie näher an die Taverne kamen konnten sie es genau erkennen: Das Gebäude wurde angegriffen und beschädigt! Olaf wurde schon wieder wild, er stieg schnell vom Pferd herab und ging zur Rückseite der Taverne um durch die Küchentür Nifl und die Hunde zu rufen. Die anderen standen vor der Eingangstür, wenn man sie denn noch so nennen konnte. Es waren mehrere Holzleisten abgebrochen worden und am Schloss waren auch eindeutige Spuren von einem Einbruchsversuch zu sehen. Außerdem wurde noch ein Fenster eingeschlagen. Allerdings konnte man daran Blut erkennen, woraus man schließen konnte das sich der Einbrecher beim Versuch durchs Fenster einzudringen geschnitten hat.
Olaf kam um die Ecke und sah recht beruhigt aus, er sagte: "Nifl ist noch da, sie sagt sie hatte große Angst als die Angreifer kamen, aber es ist ihnen nicht gelungen in die Taverne einzusteigen. Scheinbar hatte einer der Einbrecher sich verletzt. Außerdem haben die Hunde ihnen einen großen Schrecken eingejagt." Jetzt sah er sich die Vorderfront seines Hauses an. "Naja, das lässt sich alles reparieren, es ist zum Glück niemand abhanden gekommen." Er lächelte schwach. "Und jetzt mache ich uns erst einmal etwas Warmes zu essen."

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www.infokrieg.tv

"Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben,
aber eine Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben
."


(V wie Vendetta)


Lynagh

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57

Sonntag, 24. Februar 2008, 18:17

Lynagh schwieg eine Weile bestürzt, dann fragte sie die Elbe plötzlich: „Würdet Ihr, Kriemhilde, mit mir durch den schwarzen Diamant zur Modgudur gehen? Ihr könntet sie vieles fragen, auch etwas über die weißen Raben, denn Modgudur ist sehr alt, so alt wie die Zeit und hat auf ihrer Brücke vieles gesehen und erfahren. Wieviel weiße Raben es überhaupt noch gibt kann sie nicht beantworten, aber sie weiß, wann und wieviel in das Reich der Toten geflogen sind. Wenn ein Leben zu Ende gegangen ist, ist sie diejenige, die uns Bescheid geben kann, wenn sie will. Der Tod selbst spricht darüber nicht, der tut was er tun muß und denkt darüber nicht nach, denn er ist immer beschäftigt. Außerdem ist es verboten den Tod anzurufen, es schickt sich nicht und ist außerdem sehr gefährlich. Etwas, das zur schwarzen Magie gehört und was übrigens teuer bezahlt wird. Modgudur dagegen hat fast einen Register in ihrem Kopf - naja, sie hat auch nichts anderes zu tun als den Strom der Toten zu überwachen und wird auch nicht durch weltliche Angelegenheiten abgelenkt. Wenn Ihr keine Angst habt, und das braucht Ihr sicher nicht zu haben, werde ich Euch mitnehmen. Ob sie alle Eure Fragen beantwortet, kann ich nicht versprechen, denn sie ist wie die Nornen, manchmal sehr schweigsam und sagt überhaupt nichts, wenn es um die Wege des noch unerfüllten Schicksals geht. Glück im Unglück ist, daß die Storegga Stuga sicher ist, da das Gebäude durch die starke Magie der Wächterinnen geschützt ist, leider jedoch ist das Haus nicht groß genug für uns alle und man weiß nicht, wer noch kommt. Außerdem sind nicht alle Räume jedem zugänglich - das kann ich nicht ändern... Für alle Reisenden ist natürlich die Taverne da, die wie ein Wachhund den Weg zum Großen Rand bewacht. Laßt uns erst essen, was Olaf zu kochen vermag und Ihr, Kriemhilde, gebt mir danach Bescheid, ob Ihr mich auf der Reise durch den schwarzen Diamant begleiten wollt.“

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Das Abendessen war sehr, aber wirklich sehr üppig. Nifl und ihre Kinder kamen zurück aus und von dem Meer und die Mädchen Freidis, Thjodhild und Gudrid halfen beim Kochen und kochten mit großer Tüchtigkeit und vererbtem Talent selbst und servierten danach auch die Mahlzeit am Tisch. Sie waren dabei so lieblich und geschickt, daß man sich wie bei einem Festgelage in Aegirs Hallen fühlte. Bjarni half nicht, er war zu bequem und kochte nie, im Gegensatz zu seinem Vater, der das Kochen liebte, weil er auch gerne aß. Die Mahlzeit beinhaltete mehre Gänge und als Vorspeise war da eine Garnelen-Schüssel mit frischem Gemüse und eingelegten salzigen Meeresalgen serviert. Danach wurde Rindfleischsuppe aufgetragen, gekochtes Rindfleisch mit Meerrettichsoße, dazu frisches Brot am Nachmittag von Nifl gebacken und dann folgten vier gebratene Enten mit Brotknödeln und eingelegten Pfirsichen, die Olaf mal von einem Händler aus dem Süden in großer Menge eingekauft hatte. Zum Trinken war auch eine große Auswahl da, herber Wein aus Vinland, Bier, Kräutertee und nachdem der Nachtisch verobert war, frischer Apfelkuchen mit warmem Pudding, wurde auch der Met reichlich serviert. Die Damen blieben bei warmem Kräutertee, aber die Herren wärmten ihren Magen mit einem vorzüglichen Met aus Olafs privatem Vorrat. Die Elbe konnte nicht widerstehen und nahm lieber auch ein kleines Krüglein Met, der ihr ja so gut schmeckte. Während des Essens erzählte Nifl, was passierte:

„Es war ruhig, fast den ganzen Tag, die Hunde haben erst draußen gespielt und lagen dann ruhig bei mir in der Küche und ich habe Brot gebacken,“ sagte sie, „aber nicht lange vor eurer Rückkehr kam da plötzlich ein harter Wind und es wurde irgendwie dunkel. Noch mehr dunkel als es drinnen eigentlich war mit den geschlossenen Fensterladen; die haben wir aus Vorsorge am späten Nachmittag geschlossen und letztendlich war ich froh, dass wir es getan hatten. Die Mädchen und Bjarni gingen eben zu der Stuga. Da hörte ich einen Raben vor dem Küchenfenster, der kreischte, drehte in der Luft Kreise, als ob er mich von etwas warnen wollte, und flog dann weg und auch die Hunde knurrten auf einmal böse mit rotem Licht in den Augen. Vor der Taverne draußen hörte ich plötzlich Geräusche und ich wußte, es können nicht meine Mädels oder Bjarni sein, die hätten unser Signal gepfiffen wenn sie um Eintritt fragten. Da kamen grobe und mächtige Schläge, denn jemand probierte die Tür kaputt zu schlagen und es gelang ihm, oder denen, ein Loch durchzuschlagen aber da kamen die Hunde, ganz wütend mit enbtlößten Zähnen angerannt, ich hörte böses Knurren und Schreie, jemand wollte die Taverne anzünden aber es gelang ihnen nicht, denn bald hörte ich eine scharf geflüsterte Warnung: ‚Es kommen Pferde und Menschen!’ und da wurde es ganz plötzlich wieder still. Ich nahm die Hunde und lief durch die Hintertür zum Meer, denn die Vordertür wurde schwer beschädigt
und wenn da Menschen kamen die Böses wollten, hätten sie keine schwierige Arbeit um hinein zu kommen. Aber wie es scheint, ihr wart es die zurückkamen, den Göttern sei Dank!“

„Die Trolle aus dem Eisernen Wald waren es nicht“, bemerkte Bjarni. „Die habe ich oben von der Klippe in der Ebene unten gesehen. Die sattelhäßliche Frau mit ihrem Mann. Sie wanderten auf dem Weg unten, hatten anscheinend keine gute Laune und waren irgendwie müde, denn die Frau hatte sich ein paarmal hingesetzt und wollte nicht weiter. Da kriegten sie einen heftigen Streit miteinander und der hatte sie anscheinend genug erfrischt zum Weiterwandern. Wahrscheinlich hatten sie etwas gejagd und keinen Erfolg gehabt.“

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***NEC ASPERA TERRENT***


Nil admirari prope res est una, solaque quae possit facere et servare beatum
= sich über Nichts zu wundern ist wohl das Einzige, was einen glücklich machen kann und bleiben läßt
(Horatius)

Lynagh

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58

Samstag, 1. März 2008, 17:49

Die Gjöllbrücke

Alle gingen sie ziemlich spät schlafen, denn es gab so viel zu besprechen. Am nächsten Tag war das Frühstück viel später und länger als üblich.

Nach dem Frühstück befanden sich Kriemhilde und Lynagh auf dem Pfad zur Storegga Stuga. In Gesellschaft von Hantaoma, der beide begleitete, denn er wollte die Wache am Großen Rand halten; er hatte noch immer die fremden Schiffe von gestern im Kopf. Bei der Waldlichtung trennten sie sich und Kriemhilde und Lynagh bogen von dem Randpfad ab. Vor der Stuga sprach Lynagh das Wort und die Tür öffnete sich. Sie führte die junge Jägerin in einen Gang, der länger schien als die Länge des Hauses vom Außen erlauben würde. Sie kamen zu einer Tür, die durch schwere aber schöne Schmiedearbeiten geschmückt war.


„Das Mosaik auf dem Boden wird Euch ein wenig schwindlig machen, Kriemhilde. Ihr seid daran nicht gewöhnt, aber habt keine Angst.“ Mit diesen Worten öffnete sie die Tür.
Sie standen auf der Schwelle und Kriemhilde sah ein rundes Zimmer. Die Wände waren aus einem dunklen Stein, sie schienen fast schwarz. Auf dem Boden war ein Mosaik. Ein großes rundes Patron, das ihre Blicke zu sich zog. Es schien, als ob sich dieses Mosaik-Rad um einen Stein, der in der Mitte thronte, den schwarzen Diamant, drehte. „Kommt und macht Euren Kopf leer, es ist besser, wenn man nichts denkt, während man mit Dingen konfrontiert wird, die ein Verstand nicht verarbeiten kann. Schwarzer Diamant ist eigentlich auch ein Maelström, ein Maelström der Realitäten, denn auch die Parallelwelten und die Welten der Vergangenheit sind wirklich; sie sind wirklich in der Ebene wo sie hingehören und einige Verbindungen gehören dazu. Das Mosaik-Rad ist das, was in unserer Welt die Hakenkreuzrune genannt wird: Das Rad der Unendlichkeit, das Rad der Ewigkeit, das Rad des Seins: Wo Anfang und Ende das Selbe sind. Also es bringt uns auch in die Ebene, den Raum, wo auch der Tod, welcher in unserer Welt einem nur einmal erscheint, sein zu Hause hat. Wir kommen in dem Wachthaus der Modgudur an. So sind wir vor Garm mit der blutigen Brust geschützt, er kann uns dann nicht riechen und der Wind dort an der Brücke weht nur in einer Richtung.“

Sie beide überquerten die Schwelle und es schien als ob sich das Zimmer drehte und sie wurden in die Mitte gezogen, Richtung Schwarzer Diamant. Es drehte sich immer schneller, so daß alles rundum sich verwischte. Lynagh hielt Kriemhielde bei der Hand, damit sie sich nicht restlos verloren fühlte. Und es kam das Nichts, als ob man das Bewußtsein verloren hätte und dann wieder erwachte, langsam, als ob man nach einem langen, schweren, sehr tiefen Schlaf erwachen würde.

Sie befanden sich in einem ziemlich großen Zimmer mit kahlen steinernen Wänden, mit großer Türöffnung, in der aber keine Tür war und einem breitem Fenster. Es war nicht kalt und nicht warm. Von draußen hörte man Schritte, Pferde im Galopp – die üblichen Geräusche wie man sie auch auf einer belebten Straße einer großen Stadt hören würde. Nur hörte man keine Gespräche, keine fröhlichen Stimmen oder Ausrufe, niemand schimpfte. Geräusche, die eine Kulisse jeder lebenden Welt eigen wären eigentlich, aber sie waren doch irgendwie anders.

Kriemhilde schaute mit großen Augen Lynagh an. „Ja, wir sind auf der Gjöllbrücke, im Wachthaus der Jungfrau des Todes, Kriemhilde. Oh, da ist noch etwas...“ Lynagh lächelte als sie den gehetzen Blick der jungen Jägerin sah, die wahrscheinlich etwas Unangenehmes erwartete. „Nein, es ist nichts Schlimmes,“ sagte Lynagh, „ich wollte Euch nur sagen, Ihr solltet die Modgudur nur Modgud nennen. Sie mag anders aussehen wie wir, aber sie ist auch nur ein Mädchen wie wir. Fragt sie ruhig was Ihr wissen möchtet, aber wie ich sagte, sie beantwortet nicht alles. Darin ist sie wie eine Sybil. Aber zuerst, damit Ihr auch Zeit habt und Euch an diese Umgebung gewöhnen könnt und Euch darin zurechtfindet, werden wir Völvas Grabhüggel besuchen, dies bin ich der Tradition schuldig. Schaut Euch um, gewöhnt Euch ein und paßt auch gut auf. Sicher ist es am Ufer der Gjöll, an dem der Pfad der zu Völvas Grabhüggel führt, entlang läuft. Der Strom ist giftig und fremde Kreaturen schwimmen in der Flüssigkeit des Stromes, aber das Ufer ist hoch, also sind wir auf dem Pfad in Sicherheit.“
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Lynagh

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59

Samstag, 1. März 2008, 19:49

Die Gjöllbrücke

So gingen beide zusammen und schweigend den Pfad der schrecklichen Gjöll entlang. Kriemhilde schaute lieber nicht in den Strom und dachte bloß daran, daß dies der Pfad war an dem einmal der Odin ritt und fühlte sich wie in einer alten Sage. Nach einer Weile bog der Pfad zwischen graue Steine und da kamen sie auf eine öde Fläche wo ein grosser Grabhüggel dominierte. Lynagh und Kriemhilde blieben da schweigend stehen und dachten beide ihre eigenen Gedanken. Danach verbeugte sich Lynagh tief und auch Kriemhilde folgte ihrem Beispiel.

Sie gingen wieder langsam den Pfad zurück. Als sie sich der Brücke näherten, unterbrach Kriemhilde die Stille mit der Frage: „Wie kommen wir eigentlich wieder zurück?“ „Es gibt hier auch einen Stein, der Blaue Stein von Helheim. Einer der Steine im Netz des Seins. Seid beruhigt, die Reise zurück wird nicht schlimmer oder schwieriger sein als die Reise hierher.“


Sie betraten das Wachtshaus durch die kleinere Hintertüröffnung durch welche sie es auch auf dem Weg zu Völvas Grabhüggel verliessen. Der Verkehr auf der Brücke ebte gerade und Modgudur trat in den Bogen der grossen Brücketür wo sie den Weg im Auge behalten konnte, eigentlich dunkel leuchtende Augenhöhlen in ihrem Fall. Ja sie war ein Skelett, trotzdem war sie auch irgendwie eitel, denn sie trug an ihren Handgelenken Armbänder. Wunderschöne goldene Armenbänder mit Runen und Ornamenten. „Gegrüßt seid Ihr,“ sagte sie. „Wen habt Ihr da mitgebracht Lynagh?“ fragte Modgudur und lächelte. Ihr Lächeln machte die Elbe irgendwie nervös; sie mußte sich halt noch daran gewöhnen, daß man auch ohne Lippen lächeln kann. Aber es war ein freundliches Lächeln. „Meine Freundin, die Elbe, möchte Euch, Modgud, etwas fragen. Die Welt da draussen ist in Bewegung und es geschehen merkwürdige Dinge. Die Elbe kommt aus den Goldenen Wäldern und heißt Kriemhilde.“
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60

Montag, 3. März 2008, 18:57

Die Gjöllbrücke

Kriemhilde räusperte sich und sagte schließlich: „Ich wollte etwas über die weißen Raben erfahren. Woher kommen sie und warum gibt es keine oder sehr selten weißen Raben?“ - „Die weißen Raben sind die Boten der Zeit“, antwortete Mudgudur. „Welche Aufgabe sie haben kann ich Euch leider nicht verraten, denn damit würde ich mich in die Angelegenheiten der Menschenwelt einmischen.“ Sie schwieg einen Augenblick, schien an etwas zu denken und fügte verloren in ihren aufkommenden Gedanken hinzu: „Ihr habt eine alte Rune gefunden, wie ich sehe...“ Ihre Blicke streiften die alte Rune, die Kriemhilde am Strand gefunden hatte und die sie an ihrem ledernen Halsband befestigte. „Diese Rune beinhaltet eigentlich die Antwort auf Eure Frage, Kriemhilde,“ sagte Mudgudur, geheimnisvoll wie ein Orakel. „Wie ein der weisen Männer der Zukunft sagen wird ‚Die Welt hat kein Mitleid’.“ Modgudur’s Zähne klappten hörbar zusammen, was bedeutete, wenn sie Lippen hätte, wären diese sicher fest aufeinander gepreßt. Sie sagte nur noch trocken: „Dinge die kommen, kommen...“ Da Kriemhilde ihren Blick von Modgudurs vielen wunderbar geschmiedeten Armbändern nicht lassen konnte, die sie ihrer Kunstarbeit wegen bewunderte und schätzte, da sie die Hand eines großen Schmiedemeisters darin erkannte, lächelte Modgudur ihr Skelettenlächeln und sagte schließlich sehr freundlich: „Ein Kind der Goldenen Wälder begehrt nicht das Gold, sondern schätzt die Arbeit eines großen Meisters. Es soll eine Erinnerung an die Jungfrau des Todes haben. Hier.“ Sie gab ihr eines der Armbänder. „Das soll Euch schützen, die eingeschnitzten Runen haben schon ihre Kraft. Auch schützen sie vor Gullveig (Goldrausch), der goldenen Hexe aus dem Geschlecht der Vanen. Niemand wird mächtig genug sein, Euch dieses Armband zu stehlen. Gullveig, welche es eigentlich nicht gar so schlecht meinte, brachte jedoch auch die Sünde in die Welt. Habgier und Goldhunger neben anderem. Leider laufen nicht alle Dinge so, wie es sich die Götter wünschen, alles hat auch eine dunkle Seite. Viel schlimmer sind die zwei Schwestern Furu (Furie) und Vanvidd (Wahnsinn), die durch die menschliche Welt ziehen. Eigentlich sollte ich weniger sagen als ich es tue, aber sie sind wohl bekannt und die Nornen können nichts dagegen haben, wenn ich Euch noch extra warne. Furu ist sehr verführerisch und sie sucht sich hauptsächlich die Männer aus. Ihre Schwester Vanvidd ist blind. Nehmt keine Geschenke von den zwei Frauen, auch wenn Vanvidd ruhig und unschuldig scheint. Und laßt Euch kein Getränk anbieten, denn sie brauen ein Met aus der Ernte in der Hölle mit Wasser aus Hvergelmir. Das ist mein Rat und Warnung für Euch und Eure Freunde, Kriemhilde.“Auf der Brücke zog, wie es schien, eine ganze Großfamilie in die Richtung Helpforte und Hellas Hallen. Kriemhilde hatte Tränen in den Augen, als sie eine Schar kleiner Kinder sah. Ja, die Welt hat kein Mitleid, klangen die Worte wie ein Echo in ihrem Kopf. „Modgud, sind vielleicht noch irgendwelche Wikinger über die Brücke gegangen - in letzter Zeit?“ fragte Lynagh plötzlich. Sie dachte an das Schiff der Wikinger, welches Hantaoma und Kriemhilde ganz verlassen treiben sahen. „Jetzt, da Ihr es sagt,“ antwortete Mudgudur, „gerade gestern kamen hierher vier Vikinger. Ingolfur, Rikhardur, Hallgrimur und Gudjön. Isländer und Vinländer. Da gab es ein Problem, denn sie fanden ihren Tod im Maelström dort bei euch an der Küste, aber wurden von Walküren abgeholt, noch bevor sie die Brücke überqueren konnten. Sie starben zwar nicht im Streit, aber ihr Leben war eine Reihe Heldentaten.“ Plötzlich hörte man ein schreckliches Gebrüll. „Garm!“ rief Lynagh. Modgudur trat in die Mitte der Brücke und schaute Richtung Helpforte. „Einige Männer wollten aus dem Reich der Toten herausbrechen, noch bevor sie vor der Hella erschienen. Garm hat sie gepackt – ups, blutige Arbeit!“ - „Doch nicht die Großfamilie!?“ rief Kriemhilde mit erstickter Stimme. „Nein, irgendwelche Schurken sind es, wie es scheint; solche Menschen probieren es immer wieder, weil sie wissen, was sie erwartet, - der Angststrand und Hvergelmir.“, sagte Mudgudur gelassen.

Lynagh und Kriemhilde nahmen danach bald Abschied von Mudgudur und Kriemhilde bedankte noch einmal für das geschenkte Armband. Lynagh öffnete eine fast unsichtbare Tür in einer der Wände von Mudgudurs Wachtshaus und sie traten wieder in einen langen Gang, am Ende eine ähnliche Tür wie in der Storegga Stuga. „Das ist der Raum des Blauen Steins von Helheim,“ sagte Lynagh. „Gibt mir die Hand, Kriemhilde, wir machen wieder die Reise zurück wie die Reise hierher.“ Sie traten ein, das Zimmer war genau wie das in der Storegga Stuga, rund und das gleiche Mosaik; nur thronte da in der Mitte ein Blauer Stein anstatt des Schwarzen Diamants wie in dem Stuga-Zimmer. Der Wirbel drehte sich, der Stein glitzerte, das Nichts kam und sie erwachten wieder in dem Raum der Storegga Stuga. Der Schwarze Diamant war trübe und schlief, da man seine Dienste nicht nötig hatte. Lynagh schob die noch ein wenig benommene und zittrige Elbe hinaus aus dem Raum und zog sie an der Hand durch den Gang, bis sie die Eingangshalle der Stuga überquerten und wieder durch die Eingangstür nach draußen traten, an die freie salzige Meeresluft, die Kriemhilde dankbar in vollen Zügen einatmete. Sie setzten sich auf einen Stein. Sie saßen dort eine längere Zeit und schwiegen. Da fragte Kriemhilde plötzlich: „Was sind eigentlich die Steine des Seins? Und die Gänge zu ihnen, sie passen irgendwie nicht von der Länge her dorthin, wo sie sich befinden. Ich meine die Stuga und das Gjöllbrücke-Wachtshaus.“ - „Seht es wie ein Großes Rad, Kriemhilde, ein Rad, das eigentlich nicht nur ein Rad ist. Es ist ein wenig schwierig es zu erklären und es ist noch schwieriger sich so etwas vorzustellen. Die Steine sind die Nabe und wie Ihr gesehen habt, es gibt viele Naben, also verschiedene Steine und die Gänge sind die räumlichen Radspeichen. Der Wirbel bei jedem Stein wird dadurch verursacht, weil sich das Große Rad des Seins immer dreht und wenn man die Steinnabe aktiviert, fügt sich die Energie jener aktivierten Nabe, welche sich in jeder möglichen Wirklichkeit und Wahrscheinlichkeit befindet, in das Große Rad des Seins [Schöpfung und Zerstörung]. Und diese anscheinend alternativen Räder, jedes mit seinem Stein, einer Nabe, sind eigentlich alle Eins in Einem. Mehr kann ich nicht dazu sagen, es ist unmöglich es mit Worten zu erklären, vielleicht fühlt Ihr irgendwie instinktiv, was ich meine, denn Ihr habt jetzt die Erfahrung gemacht wie es wirkt. Alles was war, ist und wird ist eigentlich zugänglich, wenn man den Weg des Rades aktivieren kann. Nur wenige können es und selbst da nur einige Wege, die ihnen bekannt sind. Es gibt eine Unmenge Wirklichkeiten, Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten, das kann man eigentlich kaum fassen. Veilleicht kennen die Götter sie, oder die Nornen, schwierig zu sagen. Ein Magier kennt ein, zwei, vielleicht vier oder fünf, wenn er oder sie gut ist. Eine Seherin sieht sie, aber kann sie nicht betreten. Die Gaben dafür sind merkwürdig verteilt und die Bücher mit den alten Formeln, Zaubersprüchen und Hilfsrunen noch seltener. Es ist das alte Geheimnis der Schöpfung und der Zerstörung. Das begriff auch Odin viel später erst, als er das Wort ‘Wiedergeburt’ seinem toten Sohn ins Ohr flüsterte. Das Rad dreht sich weiter, sagen auch die Menschen, wenn sie ausdrücken wollen, daß das Leben weitergeht, aber ich denke, dieser Spruch hat eine viel tiefere Bedeutung, deren wahre Kenntnis durch die Zeit verloren gegangen ist, denn auch die Götter mußten es wieder lernen, wie man erzählt.“ Als sie beide in die Taverne kamen, waren schon alle versammelt zum Mittagessen. Hantaoma war schon da, die Schiffe waren alle verschwunden, erzählte er. Kriemhilde berichtete, was mit dem Wikingerschiff geschah.

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