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Lynagh

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  • »Lynagh« ist der Autor dieses Themas

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Donnerstag, 22. November 2007, 21:25

Balders Tod

Während der Zeit in der die Riesen nicht im Krieg waren mit den Asen und den Menschen aus Midgard die größtenteils tapfere und mutige Krieger waren, war Asgard ein Platz der Freude und Fröhlichkeit. Und von allen Palästen in dem gesegneten Ort war keiner so schön und aus keinem erschallte so ein fröhliches Gelächter oder lieblicher Gesang wie aus Breidablick auf der schönen Ida Ebene, wo der hübsche Balder wohnte, der schönste und sanftmütigste aller Asen, der meist geliebte Sohn von Odin und Frigga. Balders Zwillingsbruder Höd war das ganze Gegenteil, da er blind geboren wurde und immer allein und still saß in seiner ewigen Dunkelheit und grübelte. Doch war auch er lieb und freundlich und Balder und er liebten einander sehr.

Oft spazierten sie unter den grünen Bäumen der Ida zusammen; der eine, mit goldenem Haar, glitzernden Augen und vom
Glück strahlendem Gesicht; der andere, ihm als dunkler Schatten folgend, mit schwarzem Haar und bleichem, schwermütigem Gesicht.

Balders Palast hatte ein Dach aus Silber, das durch rein goldene Säulen gestützt war und war so rein und heilig, dass nichts Unreines ihn auch nur betreten konnte. Hier wohnte Balder mit seiner Frau Nanna, lieblich und zart wie frische Blume und in allen neun Welter gab es keine Liebe die so zart und sanft war wie die zwischen Balder und Nanna. Jedoch selbst auf der glücklichen Wiesen der Ida schritt die Zeit weiter, voll mit dem Gesang von Bragi, und Iduna bewegte sich wie ein Schmetterling mit ihren goldenen Äpfeln zwischen den Asen und Balder, wo er sich auch zeigte, strahlte Licht und Glück aus.

Auch in Midgard liebte und segnete man Balder, denn er lernte die Menschen die Pflanzen und Kräuter kennen mit welchen sie Wunden heilen und Kranke genesen konnten. Die Kamille wurde Balders Kraut genannt, wegen der Reinheit und genesender Kraft. Auch kannte Balder all die geheimen Runen, die in den goldenen Säulen seines Hauses eingeritzt waren und auch konnte er den Menschen in Midgard ihre Zukunft voraussagen. Jedoch seine eigene Zukunft konnte er nicht sehen, noch konnte es einer der Asen; und der erste Schatten der Betrübnis schlich über die goldenen Felder der Ida näher, als plötzlich Balder nicht mehr lächelte und ebenso ernst und schwermütig wie sein Bruder Höd wurde, der zwischen ihn und die Sonne gekommen zu sein schien.

Da riefen Odin und Frigga die Asen zu einer Versammlung ein und sie fragten Balder zu berichten was ihn so traurig machte und warum das Licht und die Freude aus seinem strahlenden Gesicht verschwunden waren. Balder antwortete: „Eine fremde Last drückt mein Herz. Bis jetzt konnte ich immer gut und lang schlafen und ich träumte nur von guten und fröhlichen dingen. Jedoch die letzte Zeit hat sich alles geändert; meine Träume sind düster und schrecklich geworden. Es droht eine Gefahr und der Tod liegt, obwohl auf mir unbekannter Weise, auf der Lauer. Ich sehe die Gefahr und auch die Hand meines Mörders und vergeblich bemühe ich mich vor all dem in die dunklen Grotten des Schlafes zu entfliehen, aber wenn ich erwache, kann ich mich die Gefahr nicht mehr erinnern und das Gesicht meines Mörders bleibt unsichtbar. Aber die Angst und das Wissen meines Schicksals bleiben – das Schicksal das jeden Tag näher kommt, unbekannt und schrecklich, das mich aus der Dunkelheit bedroht und mir wenn ich wach bin entwischt.“

Die Asen waren sehr erschüttert als sie das hörten und der weise Odin der aus Mimirs Brunnen getrunken und mit den Nornen gesprochen hatte, war sehr traurig. Er wußte, daß Balder einmal sterben mußte und dass sein Tod das Kommen des Ragnaröks bedeutete, aber er dachte immer, dass dieser Schicksalschlag noch lange Zeit auf sich warten lassen würde.

Als die Asen noch immer alle zusammen in ihrem Versammlungssaal Gladsheim waren, stand Odin auf, sattelte Sleipnir, sein Pferd mit den acht Beinen und machte sich auf den langen Weg nach Niflheim. Neun Tage und neun Nächte ritt er auf dem schnellen Sleipnir, antlang düsterer Pfaden und Grotten voll Echos und endlich erreichte er den Fluß Gröll, den schwarzen Strom der am Ende Hellas Königreichs liegt wohin die Toten, die nicht im Kampf gestorben sind, hingehen. Den dunklen Fluß überspannte die Gröll Brücke, mit Bogen aus Kristal und mit Pflastersteinen aus reinem Gold. Als das Skelett welches das Mädchen Modgudur war, das Pferd mit acht Beinen sah, liess sie ihn vorbei reiten obwohl sie fragte: „Welcher Sterbliche reitet hier auf Odins Ross auf dem Weg der Toten?“ Und Odin antwortete mit der Stimme eines alten Mannes: „Mein Name ist Vegtam der Vagabund und ich komme im Auftrag der Asen aus Asgard.“ „Geht dann weiter,“ antwortete Modgudur und Odin ritt weiter durch den Eisernen Wald, der durch die Blätter aus scharfem Eisen fast schwarz aussah, bis er zuletzt an die Pforte von Helheim kam, wo Garm mit der Blutigen Brust, Hellas grosser Hellehund, stand und bösartig bellte um die Seelen derjenigen, die zurück in die Welt der Lebenden entwischen wollten, abzuschrecken.


© 2007 Lynagh

***NEC ASPERA TERRENT***


Nil admirari prope res est una, solaque quae possit facere et servare beatum
= sich über Nichts zu wundern ist wohl das Einzige, was einen glücklich machen kann und bleiben läßt
(Horatius)

Lynagh

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Donnerstag, 22. November 2007, 21:49

Balders Tod (Teil 2)

Aber Odin bemühte sich nicht um Hellas Säale durch die Pforte zu betreten, anstatt das zu tun, nahm er einen Seitenweg zu einem langen grauen Grabhügel, wo die Prophetin, Völva die Weise, begraben lag. Er stellte sich neben dem Grabhügel und fing an die mächtigen Zaubersprüche zu singen, welche die Toten heraufbeschwören, bis die Erde langsam Risse bekam und die Prophetin in ihrem Totenkleid und mit einem grünen schrecklichen Gesicht aus ihrem Grab erschien.

Da sagte Völva in kurzen, abgemessenen Sätzen, ohne dass ihre Kiefer oder Lippen bewegten: „Welcher Sterbliche bemüht sich mich auf diese schwierige Weise zu wecken? Ich habe unter dem Schnee gelegen, die Regen haben mich gewaschen und der Tau durchdringt mich. Lang bin ich tot gewesen.“

Da antwortete Odin: „Ich bin Vegtam der Vagabund: Valtam der weisse Vagabund war mein Vater. Gebe mir Neuigkeiten aus Helheim und ich werde Euch von Midgard erzählen, so Ihr wünscht. Sage mir, für wen sind Hellas Bänke mit Teppichen und Gobelins behangen und für wen die Hallen mit Schildern und Wappen geschmückt?“

„Für Balder steht der Met schon bereit in Hellaäs Hallen,“ antwortete die tote Völva, „ und für ihn sind die Wände mit Schildern und Wappen bedeckt. Doch sind die Asen auf der Ida Ebene noch glücklich. Gegen meinen Sinn habe ich gesprochen und mehr will ich nicht sagen.“


„Spreche noch mal weise Völva,“ befiel Odin, „denn ich muss alles wissen. Sage mir, wer und was soll dem Balder Tod bringen? Wer wird Odins meistgeliebten Sohn das Leben rauben?“
„Höd wird sein Schicksal sein,“ antwortete Völva. „Er wird die Ursache von Balders Tod und er wird Odins meistgeliebtem Sohn das Leben rauben. Gegen meinen Sinn habe ich gesprochen und mehr will ich nicht sagen.“

„Spreche noch mal, weise Völva,“ drängte Odin, „denn ich muss noch mehr darüber wissen. Sage mir, wer wird an Höd die Rache verüben so wie die Nornen es eisen, „wer wird den Mörder von Balder auf den Scheiterhaufen legen?“

„In den Sälen im Westen wird Euch ein Sohn geboren werden,“ antwortete Völva, „Vali wird sein Name sein und er wird den Mörder von Balder töten. Er wird weder seine Hände waschen, noch sein Haar kämen, bevor er ihn auf den Scheiterhaufen gebracht hat. Bevor er ein Tag alt ist, wird er Odins meistgeliebten Sohn rächen. Gegen meinen Sinn habe ich gesprochen, und mehr will nicht nicht sagen.“

„Spreche noch einmal, weise Völva!“ rief Odin verzweifelt. „Wenn jeder um Balder weint, wer wird dann keine Träne um ihn lassen?“ „Jetzt weiss ich sicher, dass Ihr nicht Vegtam der weise Vagabund seid!“ antwortete Völva. „Ihr seid Odin, denn niemand ander kennt diese Frage. Reitet nun heim und tut alles Mögliche um Balders Schicksal vorzubeugen, denn ab jetzt wird kein Sterblicher mich je mehr sehen... bevor Loki seine Ketten bricht und die Vernichter der Asen zum Ragnarök kommen.“

Danach sank Völva langsam in ihr Grab und die Erde schloss sich über ihr.
Odin bestieg Sleipnir und ritt traurig nach Asgard zurück, darüber nachdenkend, wie man dem Schicksal vorbeugen und die Faden der Nornen ein anderes Muster weben lassen könnte um Balder ein längeres Leben zu bescheren..... darüber nachdenkend wie es möglich ist, dass Höd seinen Bruder ermorden sollte, seinen Bruder den er mehr als jemanden andern in allen neun Welten lieb hatte .... darüber nachdenkend, was er tun sollte um Höd aus Asgard wegzuschicken oder Balder von seiner gefährlichen Nähe zu erlösen.

Aber als er Asgard erreichte fand er seine Gemahlin Königin Frigga mit strahlenden Augen vor Freude, in Fensalir, ihrem Wolkensaal sitzen. „Balder ist in Sicherheit,“ rief sie, „ich habe alle Dinge, die in der Welt wachsen, schwören lassen, dass sie ihn nicht verwunden. Und auch alles in der Erde: Felsen, Metalle und der Grund selbst und alles was die Erde bewohnt, die Asen, die Riesen und die Trolle wie auch die Tiere und Schlangen; die Vögel in der Luft und alle Wasserwesen und selbst das Meer und seine Wellen. Ja sogar auch die Gifte und die todbringenden Krankheiten haben geschworen, Balder nichts Böses zu tun. Also jetzt ist unser geliebter Sohn sicher!“ Odin fühlte sich getröstet, denn obwohl er wusste, dass sich das Schicksal erfüllen wird, weil es unvermeidlich feststand, fühlte er dass es jetzt lang dauern könnte bevor die Nornen einen anderen Tod für Balder webten.

Da die Asen jetzt überzeugt waren, dass nichts mehr Balder töten könnte, ging das fröhliche Leben in dem schönen Land der Ida weiter.
So sprang Tyr zum Beispiel nach vorne in einer Hand sein Schwert schwenkend als ob er Balder in zwei Stücke spalten will, aber die scharfe Klinge bog sich ohne Balder zu berühren. Oder ein anderes mal nahm Thor seinen Hammer Mjölnir, den er mit lautem Schrei warf - und der Hammer der so viele Riesen getötet und den Steinkopf Rungnirs zerschmettert hatte, der Hammer kam wieder in seine Hand zurück ohne Balder etwas angetan zu haben. Wieder ein anderes mal schoss Uller, der unübertroffene Bogenschütze, einen Pfeil nach dem anderen ab, aber sie alle prallten zurück als ob Balder einen unsichbaren Harnisch trug und fielen auf den Boden, ohne ihn zu verwunden.

Unter den Asen, die sich um Balder scharten, befand sich auch Loki und als dieser bemerkte, dass nicht mal ein vergiftetes Messer oder im Gift getauchter Wolfzahn Balder etwas Übles tun konnten, erstickte er beinahe von Wut und Neid. Immer schon hatte er den schönen, edlen und reinen Balder gehaßt; nun hatte er nur einen Wunsch: Balder etwas Böses antun. Alle neun Welten liebten Balder – jeder, nur nicht Loki; weder der bösartigste Troll noch der grausamste Riese würde Balder je wirklich Böses antun, ja selbst kein Stein auf dem Weg, oder eine Schlange im Gras.
Rasend von Eifersucht und Haß, verließ Loki, der Ungeliebte, die fröhliche Gesellschaft der Asen auf der sonnigen Wiesen der Ida und er fing an, Pläne zu schmieden um Rache zu nehmen wie nie zuvor.


© 2007 Lynagh
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Donnerstag, 22. November 2007, 22:16

Balders Tod (Teil 3)

Eines Tages als Königin Frigga in Fensalir an ihrem Spinnrad saß, glücklich und dankbar dass Balder in Sicherheit war, kam da eine alte Frau die sich schwer an ihren Stock stützte und sie höflich begrüßte.

„Ich höre fröhliches Lachen auf den glücklichen Wiesen der Ida,“ sagte Frigga, „können Sie mir sagen was die Asen dort tun, es scheint dass sie dort viel Spaß haben?“ „Es ist merkwürdig,“ munkelte die alte Frau „sie wenden dort eine Art der Zauberkunst an. Balder steht lachend in der Mitte und alle Asen bewerfen ihn mit Steinen oder schiessen Pfeile auf ihn, oder sie fallen ihn mit ihren Waffen an. Aber nichts kann ihm schaden, ja der Boden liegt voll Äxte und Schwerten, Speeren und Pfeilen die sie vergebs nach ihn geworfen oder geschossen haben.“

„Aha,“ rief Frigga, mit einem vor Freunde strahlendem Gesicht, „dass kommt weil keine einzige Waffe Balder schaden oder ihm etwas Übles tun kann! Ich habe alles was auf der Erde lebt, wächst, oder sich bewegt, alles was daraus entsteht oder drauf fällt, oder sich im Wasser befindet einen Eid schwören lassen, dass sie Balder nicht Böses antun werden.“

„Und haben alle Bäume, Sträuche und Pflanzen, Blumen und Grässe wirklich alle geschworen, dass sie Balder nichts Böses tun werden?“ fragte die alte Frau.

„Alles was auf der Erde wächst,“ bestätigte Frigga. „Westlich der Walhalla steht ein Eichenbaum,“ sagte die alte Frau, „und daran wächst ein Pflänzchen >die Mistel< heißt sie. Das wächst nicht auf der Erde, aber hat auch dieses Pflänzchen geschworen Balder nicht Böses zu tun?“

„Oh, ich habe tatsächlich vergessen die Mistel einen Eid schwören zu lassen,“ antwortete Frigga, „aber sie ist so schwach und sanft und jung, dass sie niemandem Böse tun kann.“

„Ja, das ist so,“ bejahte die alte Frau, „ein einfaches Pflänzchen das nicht einmal Wurzeln hat sonder von der Eiche abhängig ist, das braucht ja keinen Eid schwören, denn es kann niemandem Böses tun.“

Danach verbeugte sie sich tief vor Frigga und humpelte langsam weg währenddessen sich die Königing der Asen wieder ihrem, mit Wolken umkränzten, Spinnrad widmete. Aber es schien als ob da ein Schatten vorbeizog und als ob die Sonne sich hinter den Wolken ihres Spinnrads versteckte.

Aus dem Fensalir Palast nach draussen gekommen, beeilte sich Loki, der wieder seine eigene Gestallt angenommen hatte, zu der Westseite Walhallas und schnitt ein Zweig der Mistel ab. Der bleichgrüne Zweig schien sehr schwach und zart und unschuldig, aber Loki schnitt ihn zu einem Pfeil, währenddessen er einen üblen Zauberspruch leise sang und blies dann darauf - wodurch der Pfeil so hart und scharf wie aus Eisen wurde.
Mit dem Mistelpfeil unter seinem Mantel versteckt, schlich sich Loki zur Ida Wiese zurück, wo die Asen noch immer um Balder gescharrt standen und vergebens ihre Speeren und Pfeile nach ihm warfen. Auch war es einer Gruppe Trollen erlaubt auf die Ida Wiese zu kommen und auch sie warfen ihre Steinhammer nach Balder und kreischen vom Lachen wenn sie diese, ohne Schade anzurichten, auf den Boden fallen sahen. Auch war da ein Zwerg oder schwarzer Elfe bei der Gesellschaft, der eine erfinderische Waffe bei sich hatte, die scharf, stark und durch eine geheime Zauberkraft unfehlbar war; aber selbst die konnte nichts ausrichten gegen Balder, den Liebling der ganzen Welt.

Nur der blinde Höd beteiligte sich nicht an diesen Spielen. Er stand bei einem Baum und hörte dem fröhlichen Gelächter, dem Geschrei und dem Durcheinender zu.
„Warum wirfst du nicht etwas nach Balder?“ fragte Loki der Verführer, der sich still Höd näherte. „Ich sehe Balder nicht und weiss nicht wo er steht,“ antwortete Höd seufzend, „und außerdem besitze ich keine Waffe, weil ich blind bin.“

„Ach wie Schade, dass ausgerechnet du als einziger der Asen deinem Bruder nicht die Ehre erweisen kannst, ihn mit einer harmlosen Waffen zu bedrohen,“ sagte Loki. „Aber wenn du willst, werde ich dir einen Stock geben und dir helfen den Wurf zu richten.“ Da ließ Höd das Pfeilchen von Loki in seine Hand legen und sein Arm so zu richten, dass er sein Ziel erreichen sollte. Und er machte einen Schritt nach hinten und warf den Pfeil mit so einer Kraft, dass er durch Balders Körper flog und der Sonnige Held tot zur Erde fiel.

Und das war das größte Unglück und Unheil, dass den Göttern und Menschen je widerfuhr.
Als die Asen Balder fallen sahen, fiel da tiefe Stille rundherum und ihre Hände fühlten sich kraftlos, so dass niemand ihn auffangen konnte. Sie sahen einander an, die Augen gross von Schrecken und als sie sprechen wollten, kamen nur Tränen, so dass kein Wort über ihre Lippen kam.

Nur Höd weinte nicht. Er blieb dort stehen wo ihn Loki verlassen hatte und sein Ellend und seine Bestürzung waren so gross und tief, dass er keine Tränen mehr hatte.
Bald wussten die Asen wer den schicksalhaften Pfeil geworfen hatte; und obwohl sie wussten, dass er Balder nicht verletzen wollte, wussten sowohl Höd als die Asen selbst, dass er sterben mußte – denn das eiste der Gesetze des Nordens, das sicher auch nicht durch die Asen gebrochen werden durfte.

Doch es berührte niemand Höd, niemand griff ihn an, da sie alle geschworen hatten einander nie etwas Böses antun; ausserdem durfte auf der goldenen Wiese der Ida und direkt vor dem Palast Breidablik kein Blut vergossen werden.
Nach der drückenden langen Stille die eine zeitlang herrschte und die gefolgt wurde durch einen wilden Ausbruch des Kummers und der Betrübnis, sagte Frigga zu den Asen: „Wer von euch will für immer und ewig meine Liebe und Gunst gewinnen?! Wer will nach Helheim reiten um Balder zu suchen und Hella zu fragen welches Lösegeld sie fordert und annehmen bereit wäre um Balder wieder nach Asgard zurückkehren lassen?“

Eine Weile herrschte Stille, denn so eine Reise war schwierig und der Weg dorthin voll Gefahren. Da aber sprang Hermod auf, der schnellste aller Asen und Odins treuester Gefährte, kam nach vorne und sagte: „Ich will die Reise nach Niflheim antreten,“ rief er, „in das dunkle Königreich der Toten, ich werde mit Hella sprechen und selbst ihren Palast betreten, all das werde ich tun wenn ich dadurch meinen geliebten Bruder Balder zurück in das Licht der Welt bringen kann.“ „Gehe dann,“ befahl Odin, „und nehme Sleipnir, mein Pferd mit den acht Beinen, damit du schnell reiten kannst. Denn nur alleine ich weiss, was Balders Tod für uns Asen bedeutet.“


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