Sie sind nicht angemeldet.

[Erzählung] Heimat - von ???

Lieber Besucher, herzlich willkommen im Heimatforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Tarja

Profi

  • »Tarja« wurde gesperrt
  • »Tarja« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 698

Registrierungsdatum: 30. November 2009

  • Nachricht senden

1

Freitag, 6. November 2009, 14:32

Heimat - von ???

Heimat
Ein neunjähriger Bauernjunge. Strohblond. Ein kleiner Erdenwurm. Apfelrot das Gesicht. Die Augen flink, richtig vogelflink. Ein Junge, der von der Schule nach Hause kommt und immer ganz voll ist von den Sachen, die er dort gelernt hat. Und dazu wahrhaftig bauernschlau.
Er stellt sozusagen Rätsel auf, um zu erfahren, ob der Vater oder die Mutter auch das kennen und gelernt haben, was er heute in der Schule gehört hat. Ja, dieser neunjährige Bauernjunge hat es faustdick hinter den Ohren.
Da fragt er also den Vater: "Wo ist denn das Heilige Land?" Und der Bauer sitzt da, und seine Frau sitzt auch da. Abwartend, mit einem etwas verlegenen Gesicht sitzen sie da. - O, wissen denn die beiden nicht, wo das Heilige Land ist? Sie schweigen betroffen, ja das tun sie. Der Junge mustert die beiden, so richtig geringschätzig mustert er sie: "Ihr wißt nicht, wo das Heilige Land ist?" Der Bauer fragt langsam: "Na, wo ist es denn?" Und der Junge sagt triumphierend: "Israel ist das Heilige Land!" "Israel?" Und da lacht der Bauer, lacht aus vollem Halse: "Hast du's gehört, Frau? - Israel sagt er. Israel soll das Heilige Land sein? Falsch ist das mein Junge. Israel ist doch das Land der Juden!"
"Aber der Lehrer hat doch gesagt: Israel wäre das Heilige Land." Kleinmütig ist der Junge geworden.

Nun trumpft der Vater auf: "Ach was, mein Junge! Das Heilige Land ist unser Land! Ist das Land, wo wir sitzen und wo unser Pflug geht. Unser Land, mein Junge, wo wir seit Jahrhunderten wohnen, wo unsere Vorfahren schon seit Jahrtausenden den Acker bestellt haben und wo wir immer bleiben werden. Das ist das Heilige Land! Jawohl: Unsere Heimat ist das Heilige Land! Ohne unsere Heimat sind wir nichts. Keiner darf uns von unserem Land verjagen! - Weil's eben das Heilige Land ist."
Der Junge sieht den Vater an, wie er flackert und wie er sich warm redet. Und wie er den Vater ansieht, da liegt gesammelter Ernst auf seiner Stirn.
(Max Jungnickel)
„Die Wahrheit bedarf nicht viele Worte, die Lüge kann nie genug haben.“

Nietzsche

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Tarja« (13. Dezember 2012, 11:37)


Thema bewerten