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Montag, 6. Juli 2009, 17:20

Wildgänse rauschen durch die Nacht

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Gedicht aus "Wanderer zwischen beiden Welten"

Wildgänse rauschen durch die Nacht
Mit schrillem Schrei nach Norden -
Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!
Die Welt ist voller Morden,

Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
Graureisige Geschwader!
Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
Weit wallt und wogt der Hader.

Rausch' zu, fahr' zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer -
Was ist aus uns geworden?

Wir sind wie ihr ein graues Heer
Und fahr'n in Kaisers Namen,
Und fahr'n wir ohne Wiederkehr,
Rauscht uns im Herbst ein Amen!

- Walter Flex (* 6. Juli 1887; gefallen am 16. Oktober 1917 an der Ostfront bei Pöide (Peude) auf der estnischen Insel Saaremaa) -

Die Entstehung des Gedichtes findet sich in der Einleitung seines Buches "Der Wanderer zwischen beiden Welten".


"Ich lag als Kriegsfreiwilliger wie hundert Nächte zuvor auf der granatenzerpflügten Waldblöße als Horchposten und sah mit windheißen Augen in das flackernde Helldunkel der Sturmnacht, durch die ruhelose Scheinwerfer über deutsche und französische Schützengräben wanderten. Der Braus des Nachtsturms schwoll anbrandend über mich hin. Fremde Stimmen füllten die zuckende Luft. Über Helmspitze und Gewehrlauf hin sang und pfiff es schneidend, schrill und klagend, und hoch über den feindlichen Heerhaufen, die sich lauernd im Dunkel gegenüberlagen, zogen mit messerscharfem Schrei wandernde Graugänse nach Norden ... Die Postenkette unseres schlesischen Regiments zog sich vom Bois des Chevaliers hinüber zum Bois de Vérines, und das wandernde Heer der wilden Gänse strich gespensterhaft über uns alle dahin. Ohne im Dunkel die ineinanderlaufenden Zeilen zu sehen, schrieb ich auf einen Fetzen Papier ein paar Verse: ... "

Dieses Gedicht wurde mehrmals vertont, u.a. von Robert Götz (1892–1978) , der die Marschmelodie dazu schrieb. Bekannt war es zu Beginn nur in der Wandervogelbewegung und der Bündischen Jugend, bevor es sich im ganzen Volk verbreitete und zum Symbol der Jugend- und Studentenbewegung wurde. In beiden Weltkriegen war es Begleiter unserer Soldaten. Heino hat es gesungen und bis 1970 war es sogar im Schulunterricht als Volkslied vertreten. Bis heute ist es in der deutschen Bundeswehr und im österreichischen Bundesheer populär. Unter dem Titel "Les Oies Sauvages" gehört es in mehreren Fassungen zum Liedgut der französischen Armee. Die erste Strophe im Original gehört zum Repertoire der Fremdenlegion. Aufgenommen wurde es auch in das Liederbuch der Fallschirmjäger, welches herausgegeben vom Bund deutscher Fallschirmjäger e. V. 1983 im Selbstverlag nur für den privaten Gebrauch erschien, daß die alten Lieder nicht in Vergessenheit geraten und bis in die heutige Zeit gesungen werden können.

M.k.G., U-34

"Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheit ihres Geistes und ihrer Sprache raubt."
- J. G. Herder -

Njörd

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Montag, 6. Juli 2009, 18:45

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