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Lynagh

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Montag, 29. Oktober 2007, 17:41

Freyr und Gerda

Freya, die Odur suchte, blieb lang weg aus Asgard und ihr Bruder Freyr grübelte besorgt was aus ihr geworden ist und wo sie sein mochte. Er nahm es Odin sehr übel, dass dieser sie an das Umherstreifen schickte, denn Odin könnte Odur leicht finden und zum Rückkehr bewegen können. Aber Odin wollte Freya durch die Welt ziehen lassen, damit sie die Männer und Frauen die Liebe lernt. Schließlich konnte Freyr das Warten nicht länger ertragen und einmal als Odin zum Mimirs Brunnen herunterstieg schlich er zum Thron Hlidskjalf um einen Blick durch alle Welten zu werfen; etwas was nur dem Odin erlaubt worden war.

Freya sah er nicht aber sein Blick blieb an einem fernen Lichschein weit im fernen Norden ruhen. Lang und ernst schaute er und sah nun die Gerda, Tochter des Riesen Gymir, die lieblichste der Töchter der Reifriesen, Norderlicht. Wo sie lief begann die Luft zu glänzen und selbst ihre Arme strahlten Licht aus. Dann verschwand sie plötzlich im Eisschloss ihres Vaters und Freyr schien es als ob alles Licht der Welt erloschen wurde.


Langsam und traurig stieg er vom Hlidskjalf herunter, bestrafft weil er es wagte auf Odins Thron zu sitzen. Zurück in seinem Palast sprach er kein Wort, er aß, trank und schlief nicht mehr und weil er so drohend umher blickte, wagte es auch niemand ihn anzusprechen.


Da rief Njörd, sein Vater, den weisen Skirnir, Freyrs trauen Freund, zu sich und bat ihm zu erforschen was da passiert war.


„Ich werde zu ihm gehen,“ antwortete Skirnir,“und es ihn fragen so wie Ihres befehlt. Aber gerne tue ich es nicht, denn ich erwarte nur eine scharfe Antwort.“


Danach ging Skirnir zu der Stelle wo Freyr allein und verloren in seinem Verdruss mutlos saß und fragte ihn nach der Ursache.


„Sagt mir Freyr, warum Ihr den ganzen Tag ganz allein in Eurem Palast sitzt?“


„Wie kann ich ja darüber sprechen was mir am Herzen liegt, den ganzen Tag scheint die Sonne, aber mir bringt sie keine Freude.“


„Ist denn Euere Betrübnis dann so groß, dass Ihr es sogar Eurem Freund nicht mitteilen könnt? Habt Ihr vergessen welche gute Freunde wir waren als wir jung gewesen sind? Vertraut Ihr mir nicht mehr?“


Freyr war bewegt durch die Worte und erzählte seinem Freund was ihm am Herzen lag.


„In Gymirsgard habe ich eine Jungfrau gesehen, in die bin ich verliebt. Wenn sie Ihre Arme hob, glänzte der ganze Himmel und jetzt liebe ich sie mehr als je ein Mann eine Frau lieben kann! Aber die Asen und die Vanen werden nicht sehr froh darüber sein, denn sie gehört dem Geschlecht der Riesen.“


Aber Skirnir sagte:“ Gebt mir einen schnellen Pferd und Euer Zauberschwert der alles durchschneidet womit er in Berührung kommt und ich werde sie für Euch gewinnen!“


„Ich werde Euch mein Pferd geben und auch das Schwert das von sich selbst kämpft, wenn derjenige der es trägt ein mutiger Mann ist.“


Skirnir nahm den Pferd und Schwert und ritt nach Jotungheim. Durch neblige Hügel führte der Weg ins Land der Reifriesen. Endlich kam er bei Grymirs Schloss und dort sah Skirnir einen Schafhirten sitzen.

„Schafhirte, der dort auf dem Felsen sitzt und nach allen Seiten schaut, sage mir wie ich Gerda, die schöne Tochter des großen Gymir sprechen kann.“

„Bist du verrückt geworden?“ rief der Schafhirte, „oder bist du ein Geist? Nie wird ein Sterblicher mit Gymirs jungen Tochter sprechen können.“


„Ich werde nicht den Zweck dieser Reise aufgeben,“ antwortete Skirnir, wir müssen unser Ziel erreichen, egal welche Gefahren auch! Wenn es muß, werde ich sterben und die Nornen wissen bereits ob es meine Zeit ist.“


Als Skirnir über die Mauer sprang und über den Schlosshof galoppierte, hatte Gerda im Schloss bereits den Klang der Hufen gehört.


„Was ist das,“ fragte sie. „Die ganze Erde scheint zu beben und der ganze Schloss zittert.“


„Ein Mann auf einem großen Pferd ist über die Mauer in den Hof gesprungen,“ antwortete ihre Dienerin. „Er ist gerade abgestiegen und lässt das Tier grasen.“


„Frage ihn herein in den Saal“, rief Gerda „und schenke ihm klaren Met...... Aber mein Herz fürchtet sich, daß er der Fremde ist, der so wie vorausgesagt meinen geliebten Bruder Beli töten wird.“


Im großen Saal verbeugte sich Skirnir tief als ihm Gerda mit einem Horn Met entgegen kam.


„Welcher der Söhne der Asen oder den weisen Vanen seid Ihr?“ fragte sie, ihn willkommen heißend. „Und wie seid Ihr die brennende Mauer die meines Vaters Schloss umringt durchgekommen?“


„Ich gehöre weder dem Geschlecht der Asen noch der weisen Vanen an, selbst nicht dem der Elfen,“ antwortete Skirnir, „obwohl ich durch die brennende Mauer um Ihretwillen gekommen bin.. Doch sehe hier: diese sind elf Äpfel aus reinem Gold und diese, schöne Gerda, werde ich Euch schenken wenn Ihr Euch entschließt Freyr, Herr der Vanen, zu dem meist geliebten in Euer Herz zu schließen.“


„Eure goldenen Äpfel werde ich nie als Preis für meine Liebe annehmen, für wen denn auch,“ antwortete Gerda. „Nie werden Freyr und ich einander Mann und Frau nennen.“


„Sehe dieses Schwert,“ rief Skirnir, Freyrs Zauberschwert aus der Scheide ziehend, „ich könnte Euer Kopf mit einem Hieb abschlagen, wenn Ihr Euch weigert mit mir zu gehen als Freyrs Geliebte.“


„Nie werde ich zustimmen, gezwungen lieb zu haben,“ sagte Gerda. „Jedoch bin ich davon überzeugt, dass Schwerte von Blut triefen werden wenn Ihr einem meines Geschlechts begegnet.“


© 2007 Lynagh
***NEC ASPERA TERRENT***


Nil admirari prope res est una, solaque quae possit facere et servare beatum
= sich über Nichts zu wundern ist wohl das Einzige, was einen glücklich machen kann und bleiben läßt
(Horatius)

Lynagh

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Dienstag, 30. Oktober 2007, 16:09

Sage 11: Freyr und Gerda (Teil 2)

„Sehet noch mal dieses Schwert,“ sagte Skirnir mit sanfter vibrierender Stimme. „Schaut und sehet wie es voll mit magischen Runen bedeckt ist. Sie haben die Kraft einen Fluch über Euch zu legen, wenn Ihr Freyrs traue Liebe verschmäht. Wenn dieser Fluch Euch trifft, werden Dämonen Euch täglich foltern, selbst hier in Jotungheim. Ihr werdet keinen Ehemann finden oder ein dreiköpfiger Troll wird Euer Gebieter sein, ja Ryfgrim das Monster das im Tal der Toten wohnt wird Euch zu Frau nehmen. Eure Seele wird ebenso leiden wie Freyrs jetzt leidet. Odin wird erzürnt werden, Thor wird wütend auf Euch, selbst Freyr wird Euch hassen.... Sehet, ich merke Euch mit magischem Runenzeichen: die Liebe wird Besitz von Euch ergreifen, aber die Liebe wird Euch auch vernichten können wenn Ihr keinen Mitleid mit Freyr habt.“

Da verflog Gerdas Wut und ihre Augen wurde sanft.
„Sehet,“ flüsterte sie, „diesen Trunk widme ich Freyr. Ich hatte nie gedacht ich werde einmal einen der Vanen lieben.... doch es ist plötzlich geschehen.“

„Gibt mir Eure vollständige Antwort bevor ich zurück nach Asgard reite,“ sagte Skirnir „Wo und wann möchtet Ihr Njörds noblem Sohn begegnen?“


„Im Wald der Barri genannt wird, der stille Wald den er so gut kennt,“ antwortete Gerda. „Dort werde ich auf ihn warten, die dritte Nacht ab heute und dort werden wir auch heiraten.“


Da sprang Skirnir auf sein Pferd und galoppierte schnurstracks nach Asgard, wo Freyr voll Ungeduld auf ihn wartete.


„Sage mir Skirnir,“ rief er, „sage mir bevor du absteigst, wie ist es in Jotungheim gegangen?
Was sagt Gerda von meiner Liebe?“

„Barri ist der Name eines stillen Waldes Euch beiden bekannt,“ sagte Skirnir ruhig. „Dort in der dritter Nacht nach jetzt wird Gerda auf Euch warten – dort wird sie Frau von Freyr werden, Njörds edlen Sohns.


„Ha“, seufzte Freyr, währenddessen seine Augen vom Glück strahlten, „doch eine Nacht ist schon lang, zwei Nächte noch länger, wie werde ich es aushalten bis zur dritten Nacht!“


Doch die Zeit geht ihr Gang und es kam auch ein Ende an das lange Warten und endlich ging Freyr zum Wald Barri um dort seine Geliebte zu treffen. Auf seinem Weg dorthin begegnete er dem Riesen Beli, der auf ihn wartete.


„So lange ich lebe wird meine Schwester Gerda nicht heiraten!“ brüllte Beli. „Und jetzt werde ich dich töten, da wie ich sehe, du hast kein Schwert bei sich!“


Da vermisste Freyr sein Scharfes Schwert, das er Skirnir gegeben hatte – aber er vermisste es nicht so sehr wie er dazu verdammt geworden war es zu vermissen am Tag des Ragnaröks, wenn die Söhne Muspelheims ihn bedrohen werden. Denn als Beli seine schreckliche Keule schwenkte, beugte sich Freyr schnell um dem Schlag zu entrinnen und hob zugleich ein Hirschgeweih, das dort am Boden lag und durchbohrte damit das Herz des Riesen.


Danach ging er seinenes Wegs weiter zum Wald Barri in dem Gerda schon auf ihn wartete und die ihn vom ersten Augenblick an liebte. Und dorthin, in Wald Barri kamen auch alle Asen und Vanen zu der Hochzeit zusammen und auch Freya kam dorthin, sich am Arm des glücklichen Odurs stützend, den sie endlich gefunden hatte und der ihr auch den Fehltritt vergab zu dem sie die vier Zwerge durch ihre Schlauheit gebrachten hatten.


Die ganze warme Sommernacht herrschte Freude und Glück im Zauberwald und als die Sterne langsam verblassten, legte sich ein jeder zwischen den Blumen im Gras unter den Bäumen zum Schlafen und der Duft des Waldes bedeckte sie wie eine Decke.

Aber in der Dunkelheit rührte sich das Böse.
*** weiter in „Der Raub des Hammers Mjölnir“ ***
© 2007 Lynagh


***NEC ASPERA TERRENT***


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