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Lynagh

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Sonntag, 27. Januar 2008, 00:08

Feuer auf Storegga, dem Großen Rand

Storegga-Sagen... Hier kommen die ganz unbekannten Sagen, Volkssagen des Nordens, die ich als kleines Kind hörte in Dalarna und auch die, die ich selbst erzählen würde... Am offenen Feuer, wenn ich eine Bardin oder weise Frau wäre, wenn Germanen nicht christianisiert worden und die alte Welt nicht verschwunden wäre... Auch heute werden Sagen produziert, man sehe sich die vielen Fernsehen-Produktionen an, einige gute und viele amerikanische schlechte. Die alten Germanen waren nicht sehr romantisch, eher nüchtern und in ihren Sagen, den Göttersagen als auch den Menschensagen, verleugneten sie die Härte des Lebens und auch die schlechten Eigenschaften der Menschen nicht. Doch spielte Ehre und Heldentum eine große Rolle, denn diese waren auch wichtig um zu überleben in der harschen Natur. Ehre war ein Bestandteil der menschlichen Beziehungen einer harten Gesellschaft und zum Schutz der eigenen Leute da. Respekt und Ansehen musste man sich durch Taten verdienen und die Frauen waren den Männern ebenbürtig in der germanischen Gesellschaft der Urzeiten. Jeder hatte seine Rolle, die im Einklang mit der Natur war, jeder tat, was er am Besten konnte. Es war kein leichtes Leben und darum war es auch nicht romantisch.

Ich möchte euch alle herzlich einladen! Denn die Germanen erzählten und erfanden selbst gerne Sagen, also wen dies hier anspricht, der schreibe hier eine. Es kann auch etwas Interessantes, Komisches oder Trauriges aus eurem Leben oder eurer Umgebung sein, denn so und nicht anders entstanden auch die Sagen und Erzählungen. Ich rechne hier mit Ragnar
, der sicher noch über eine nachdenkt oder sogar schon auf Lager hat. Menschen, denkt daran, wenn wir alte Germanen wären und durchs Land zögen – Gastfreundschaft war heilig, also wurdet ihr zu jeder Feuerstelle oder an dem warmen Kamin eingeladen, in jede Halle oder Hütte, aber dann wurde auch erwartet, dass ihr auch etwas erzählt, dichtet oder ein Instrument spielt. Ich lade euch also zu meiner Feuerstelle am Storegga, dem Großen Rand, ein. Ich werde euch Sagen erzählen, aber auch ich höre gerne eine.

:%%:

Storegga ist norwegisch für “Großer Rand” (Great Edge) und so wird auch das Gebiet bei Lofoten genannt, Moskstraumen, besser bekannt als Maelström. Das Wort wurde in seiner nordischen Form durch Edgard Allan Poe in seiner Geschichte „Hinab in den Maelström (A Descent into the Maelstroem)“ 1842 introduziert ( hier komplett nachzulesen ). Der eigentliche Maelström (erwähnt bei Poe und anderen) ist der Moskstraumen, ein mächtiger Gezeitenstrudel in der Lofoten-Inselgruppe vor der norwegischen Küste. Es ist ein System der Gezeitenwirbel, -strudel und Mahlströmungen (nicht nur ein reißender Maelström), ein der stärksten und gefährlichsten der Welt, die sich formen in einer Meeresstraße entlang der Lofoten-Inselnarchipel in Norwegen. Die flache und untiefe Meeresstraße, 4 bis 5 km breit, liegt zwischen den Inseln Moskenesoya und einigen kleinen Inseln außen vor der Insel Mosken und verbindet den Vestfjord und den nördlichen Teil des Norwegischen Meeres (nördlich der Lofoten.). Der Moskstraumen formt sich zweimal am Tag, wenn sich die Gezeiten abwechseln. Der Moskstraumen ist seit Urzeiten bekannt und erwähnt, zum ersten Mal vor mehr als 2000 Jahren von dem Griechen Pytheas und später auch an vielen nautischen Karten mit Warnungen und dramatischen Schilderungen und Beschreibungen. Der schwedische Bischof Olaus Magnus zeichnete es auf seiner Karte 1539, Carta Marina, und beschreibt dieses Phänomen als Produkt magischer Kräfte. Petter Dass, ein norwegischer Priester beschrieb es detailliert in seinem topographischen Gedicht „die Trumpete des Nordlandes“( exklusiv hier ins Deutsche übersetzt! ) in 1685. Der Moskstraumen inspirierte viele Schrifsteller und Poeten, unter ihnen E.A.Poe, wie ich schon sagte und Jules Verne wie auch Bjørnstjerne Bjørnson und Christian Krohg. Kapitän Ahab erwähnt den "Norway Maelstrom" in seiner Rede zu der Besatzung der Pequod in Herman Melville’s “Moby Dick”. Die auch als Storegga-Rutschmasse (engl. Storegga Slide) bekannte Schutt- und Geröllhalde erstreckt sich ca. 850 Kilometer weit Richtung Nordwesten im Norwegischen Meer, wo einmal etwa eine Fläche von der Größe Islands in drei Schüben vor ca. 7000 bis 25.000 Jahren von dem Kontinent in die Tiefe abbrach und vielleicht ist dies auch die Ursache des Moskstraumen. Es war eine riesige Katastrophe und so enstand der Grosse Rand, also das Ende der kontinentalen Platte dort oben.

Da der Maelström und Storrega als die Berührung des Magischen von der Bevölkerung gesehen sind und sicher die alten Germanen diese wirklich mächtigen und beeindruckenden Strömungen und Wirbel als eine Pforte in die andere Welt oder Dimension betrachteten, finde ich eben Storrega, den Großen Rand, und Maestroem, den mächtigen Wirbel, eben auch so einen Platz in der Grauen Zone, wo sich das Unbewusste dem Bewussten nähert, ein Nährboden der Sagen. Und wer weiß, vielleicht doch eine Pforte zu einer anderen Welt oder Dimension, ob real, ob virtuell oder beides...

:%%:

Stellt euch den Großen Rand trocken vor, ein Rand der Welt, wo die Welt auch endet und die Aussicht in das Nichts bietet, die Aussicht, welche sich manchmal füllt mit dem, was wir gerne sehen möchten. Da unten irgendwo wütet, gurgelt und zischt der Maelström, eine Nabelschnur ins Unbekannte, die manchmal auch den Grossen Rand beben läßt, und eines Tages fällt auch der Grosse Rand in den Maelström. Oben auf dem Grossen Rand ist ein steinernes Haus und dort wohnt die Lynagh. Der Weltweg führt zu ihr auf den Grossen Rand. Vor ihrem Haus, der Storegga Stuga, ist ein kleiner Wald mit einer Lichtung, wo an ruhigen Abenden ein Feuer brennt, bei dem Lynagh und ihre Windhunde sitzen und schauen über den Rand der Welt. Wenn die Stürme auf dem Rand wüten brennt das Feuer in der Halle, wo Lynagh sitzt, beschäftigt mit ihrer Handarbeit und ein Gast ist immer willkommen.
***NEC ASPERA TERRENT***


Nil admirari prope res est una, solaque quae possit facere et servare beatum
= sich über Nichts zu wundern ist wohl das Einzige, was einen glücklich machen kann und bleiben läßt
(Horatius)

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Lynagh« (27. Januar 2008, 02:20)


2

Sonntag, 27. Januar 2008, 00:42

Das ist eine wunderbare Idee. Ich lese alle Sagen hier bei uns im Forum und mag besonders dein sinniges Wortspiel, am Ende des Beitrages. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens, unserer Kultur. Ich hoffe wir können sie noch lang, lang weitergeben.

Und wer weiß, vielleicht sitzen wir einmal alle bei dir am Feuer... und lauschen einer deiner Sagen. ;)

Danke Lynagh.

Grüße U-34

"Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheit ihres Geistes und ihrer Sprache raubt."
- J. G. Herder -

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Sonntag, 27. Januar 2008, 02:17

Storegga Stuga

Danke U34.

Ja wer weiß, vielleicht wird es bald kein Fernsehen mehr geben oder nur noch kontrolliertes. Vielleicht wird es bald wenig geben, gar nichts geben oder die Welt wird sich so ändern, dass wir wie verloren da stehen. Darum möchte ich euch alle fördern, denn Erzählkunst und Fantasie ist ein fester Bestandteil jedes Menschen und uns allen im Prinzip von den Nornen gegeben. Storegga ist eigentlich der Titel des nächsten Buches, das ich schreibe und hier seid ihr alle willkommen, denn nur in diesem Forum kann man den Weg zu und auf den Grossen Rand und Eintritt in die Storegga Stuga der Lynagh finden ;)

...Tja, vielleicht wird das neue Sagenbuch eine Anthologie der Talente, die ich hier finde.
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Freitag, 31. Oktober 2008, 22:44

Ein Abend auf dem Grossen Rand

Das Feuer brannte hoch und im Kessel siedete das Wasser. Lynagh saß mit ihren Windhunden beim dem riesigen Feuer, schaute hinaus auf das Wasser und in die neblige Ferne, hörte das Brüllen des Maelströms von unten und eigentlich dachte sie so für sich selbst, daß es nicht schlecht wäre, wenn da jemand zum Feuer kam, mit eigenen neuen Geschichten, Erzählungen oder Sagen. Die Welt spiegelt sich in Erzählungen und ein Barde oder ein Reisender ist immer willkommen auf diesem Ort. Sie werden hier so lange das Feuer brennt sitzen, danach gehen sie den Pfad zur Taverne Zum Großen Rand wo schon Olaf leckeres Essen und Trinken bereitet und wo es gemütlich warm am Kamin ist.

Lynagh warf Holz ins Feuer und hörte der Trompete des Nordens zu... Hörte sie dort auch Schritte auf dem Pfad?
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