Freya, die Odur suchte, blieb lang weg aus Asgard und ihr Bruder Freyr grübelte besorgt was aus ihr geworden ist und wo sie sein mochte. Er nahm es Odin sehr übel, dass dieser sie an das Umherstreifen schickte, denn Odin könnte Odur leicht finden und zum Rückkehr bewegen können. Aber Odin wollte Freya durch die Welt ziehen lassen, damit sie die Männer und Frauen die Liebe lernt. Schließlich konnte Freyr das Warten nicht länger ertragen und einmal als Odin zum Mimirs Brunnen herunterstieg schlich er zum Thron Hlidskjalf um einen Blick durch alle Welten zu werfen; etwas was nur dem Odin erlaubt worden war.
Freya sah er nicht aber sein Blick blieb an einem fernen Lichschein weit im fernen Norden ruhen. Lang und ernst schaute er und sah nun die Gerda, Tochter des Riesen Gymir, die lieblichste der Töchter der Reifriesen, Norderlicht. Wo sie lief begann die Luft zu glänzen und selbst ihre Arme strahlten Licht aus. Dann verschwand sie plötzlich im Eisschloss ihres Vaters und Freyr schien es als ob alles Licht der Welt erloschen wurde.
Langsam und traurig stieg er vom Hlidskjalf herunter, bestrafft weil er es wagte auf Odins Thron zu sitzen. Zurück in seinem Palast sprach er kein Wort, er aß, trank und schlief nicht mehr und weil er so drohend umher blickte, wagte es auch niemand ihn anzusprechen.
Da rief Njörd, sein Vater, den weisen Skirnir, Freyrs trauen Freund, zu sich und bat ihm zu erforschen was da passiert war.
„Ich werde zu ihm gehen,“ antwortete Skirnir,“und es ihn fragen so wie Ihres befehlt. Aber gerne tue ich es nicht, denn ich erwarte nur eine scharfe Antwort.“
Danach ging Skirnir zu der Stelle wo Freyr allein und verloren in seinem Verdruss mutlos saß und fragte ihn nach der Ursache.
„Sagt mir Freyr, warum Ihr den ganzen Tag ganz allein in Eurem Palast sitzt?“
„Wie kann ich ja darüber sprechen was mir am Herzen liegt, den ganzen Tag scheint die Sonne, aber mir bringt sie keine Freude.“
„Ist denn Euere Betrübnis dann so groß, dass Ihr es sogar Eurem Freund nicht mitteilen könnt? Habt Ihr vergessen welche gute Freunde wir waren als wir jung gewesen sind? Vertraut Ihr mir nicht mehr?“
Freyr war bewegt durch die Worte und erzählte seinem Freund was ihm am Herzen lag.
„In Gymirsgard habe ich eine Jungfrau gesehen, in die bin ich verliebt. Wenn sie Ihre Arme hob, glänzte der ganze Himmel und jetzt liebe ich sie mehr als je ein Mann eine Frau lieben kann! Aber die Asen und die Vanen werden nicht sehr froh darüber sein, denn sie gehört dem Geschlecht der Riesen.“
Aber Skirnir sagte:“ Gebt mir einen schnellen Pferd und Euer Zauberschwert der alles durchschneidet womit er in Berührung kommt und ich werde sie für Euch gewinnen!“
„Ich werde Euch mein Pferd geben und auch das Schwert das von sich selbst kämpft, wenn derjenige der es trägt ein mutiger Mann ist.“
Skirnir nahm den Pferd und Schwert und ritt nach Jotungheim. Durch neblige Hügel führte der Weg ins Land der Reifriesen. Endlich kam er bei Grymirs Schloss und dort sah Skirnir einen Schafhirten sitzen.
„Schafhirte, der dort auf dem Felsen sitzt und nach allen Seiten schaut, sage mir wie ich Gerda, die schöne Tochter des großen Gymir sprechen kann.“
„Bist du verrückt geworden?“ rief der Schafhirte, „oder bist du ein Geist? Nie wird ein Sterblicher mit Gymirs jungen Tochter sprechen können.“
„Ich werde nicht den Zweck dieser Reise aufgeben,“ antwortete Skirnir, wir müssen unser Ziel erreichen, egal welche Gefahren auch! Wenn es muß, werde ich sterben und die Nornen wissen bereits ob es meine Zeit ist.“
Als Skirnir über die Mauer sprang und über den Schlosshof galoppierte, hatte Gerda im Schloss bereits den Klang der Hufen gehört.
„Was ist das,“ fragte sie. „Die ganze Erde scheint zu beben und der ganze Schloss zittert.“
„Ein Mann auf einem großen Pferd ist über die Mauer in den Hof gesprungen,“ antwortete ihre Dienerin. „Er ist gerade abgestiegen und lässt das Tier grasen.“
„Frage ihn herein in den Saal“, rief Gerda „und schenke ihm klaren Met...... Aber mein Herz fürchtet sich, daß er der Fremde ist, der so wie vorausgesagt meinen geliebten Bruder Beli töten wird.“
Im großen Saal verbeugte sich Skirnir tief als ihm Gerda mit einem Horn Met entgegen kam.
„Welcher der Söhne der Asen oder den weisen Vanen seid Ihr?“ fragte sie, ihn willkommen heißend. „Und wie seid Ihr die brennende Mauer die meines Vaters Schloss umringt durchgekommen?“
„Ich gehöre weder dem Geschlecht der Asen noch der weisen Vanen an, selbst nicht dem der Elfen,“ antwortete Skirnir, „obwohl ich durch die brennende Mauer um Ihretwillen gekommen bin.. Doch sehe hier: diese sind elf Äpfel aus reinem Gold und diese, schöne Gerda, werde ich Euch schenken wenn Ihr Euch entschließt Freyr, Herr der Vanen, zu dem meist geliebten in Euer Herz zu schließen.“
„Eure goldenen Äpfel werde ich nie als Preis für meine Liebe annehmen, für wen denn auch,“ antwortete Gerda. „Nie werden Freyr und ich einander Mann und Frau nennen.“
„Sehe dieses Schwert,“ rief Skirnir, Freyrs Zauberschwert aus der Scheide ziehend, „ich könnte Euer Kopf mit einem Hieb abschlagen, wenn Ihr Euch weigert mit mir zu gehen als Freyrs Geliebte.“
„Nie werde ich zustimmen, gezwungen lieb zu haben,“ sagte Gerda. „Jedoch bin ich davon überzeugt, dass Schwerte von Blut triefen werden wenn Ihr einem meines Geschlechts begegnet.“
© 2007 Lynagh