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Wenn sich die Welt selbst zerstört, dann fängt es so an: Die Menschen werden zuerst treulos gegen die Heimat, treulos gegen die Vorfahren, treulos gegen das Vaterland: sie werden dann treulos gegen die guten Sitten, gegen den Nächsten, gegen Frauen und gegen Kinder. - Ernst Moritz Arndt (1769-1860) -

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Bragi Männlich

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Donnerstag, 20. November 2008, 19:33

Zeitzeugen berichten, heute: Salvian von Marseille

SALVIAN von Marseille, lat. Kirchenvater um 400 bis nach 480, bedeutender Historiker seiner Zeit.

aus "Vom Regiment Gottes"

Zitat

Können wir unseren Lebenswandel für besser oder wenigstens für ebenso gut als den der Barbaren halten? Ich will zunächst nur von Liebe sprechen (die das größte Herrengebot ist). Fast alle Barbaren, die Stammesgenossen sind und denselben Herrscher haben, lieben einander, während sich fast alle Römer gegenseitig verfolgen. Welcher Bürger beneidet nicht seinen Mitbürger...ja, was noch schlimmer ist, nicht einmal die Blutsverwandten kümmern sich unter uns um die Pflichten der Verwandtschaft...Die Beamten nicht nur der Städte, sondern auch der Landgemeinden und Dörfer sind lauter Tyrannen.

Den Armen wird das Letzte genommen, die Witwen seufzen, die Waisen werden mit Füßen getreten. Darum fliehen viele von ihnen, auch solche von vornehmer Herkunft und freie Leute, zu den Feinden, um nicht Verfolgungen der öffentlichen Gewalt zum Opfer zu fallen und durch sie hingemordet zu werden. So suchen diese bei den Barbaren römische Menschlichkeit, weil sie bei den Römern die barbarische Unmenschlichkeit nicht ertragen können. Und unterscheiden sie sich auch von jenen, bei denen sie Schutz suchen, durch ihre Lebensart und Sprache, und widerstrebt ihnen der Gestank der ungepflegten Körper der Barbaren und ihres Schmutzes, so ziehen sie doch eine völlig veränderte Lebensweise unter den Barbaren der grausamen römischen Ungerechtigkeit vor. Sie begeben sich also zu den Goten, Bagauden oder sonstigen Barbaren und schließen sich gerne deren Wanderzügen an. Sie wollen lieber unter dem Scheine der Freiheit ein Sklavenleben führen. Man verzichtet aus freien Stücken auf den Namen eines römischen Bürgers, der einstmals hoch in Ehren stand und den man sich teures Geld kosten ließ; nicht bloß wertlos ist er geworden, man verabscheut ihn sogar. Das grellste Schlaglicht auf die römische Verkommenheit und Grausamkeit wirft das Bestreben vieler angesehener Leute von vornehmer Abstammung, denen die Zugehörigkeit zu Rom höchste Ehre und Auszeichnung sein müßte, sich von Rom völlig loszulösen. Daher kommt es auch, daß selbst diejenigen, welche nicht zu den Barbaren fliehen, Barbaren werden müssen, so ein großer Teil der Spanier und Gallier und alle, die im ganzen römischen Reiche römische Bosheit zu Nichtrömern macht.

Furchtbar lasten auf allen der Steuerdruck und die Erpressungen. Die Franken kennen diese Übel nicht, die Hunnen sind frei von diesen Verbrechen, bei den Wandalen, bei den Goten weiß man nichts davon. Die Goten dulden ebenso wenig, daß sie nicht einmal die Römer, die bei ihnen leben, darunter leiden lassen. Deshalb haben die Römer daselbst nur den einen Wunsch, nicht mehr unter das römische Recht zurückkehren zu müssen. Einmütig fleht dort das römische Volk zum Himmel, sein Leben bei den Barbaren weiter fristen zu dürfen. Und da wundern wir uns, daß die Goten nicht von uns besiegt werden, wenn die Römer lieber bei ihnen als bei uns sind ! Darum wollen unsere Brüder durchaus nicht zu uns übergehen, ja sie verlassen uns sogar, um sich zu jenen zu flüchten. Alle Unbemittelten und Notleidenden, die unter dem Steuerdrucke stöhnen, würden so handeln, wenn sie nur ihre armseligen Sächelchen, ihre Hütten und Angehörigen mitnehmen könnten.

Mitten unter keuschen Barbaren leben wir unkeusch. Ja noch mehr: selbst die Barbaren stoßen sich an unserem schamlosen Treiben. Die Goten dulden unter sich keine Hurer, nur den Römern lassen sie sein geiles Leben weiterführen, weil sich die Barbaren von diesem Volke und seinem Rufe nichts anderes erwarten. Welche Hoffnung haben wir da noch bei Gott? Wir lieben die Unzucht, die Goten verabscheuen sie, wir fliehen die Reinheit, sie lieben sie. Hurerei halten sie für Sünde und Tod, wir prahlen damit. Und wir glauben, daß wir vor Gott bestehen, daß wir zur Seligkeit gelangen können, wenn wir jede schändliche Unzucht treiben, während sie die Barbaren bestrafen? Wer will da noch glauben, daß wir besser sind als die Barbaren? Man sage mir, ob ein einziger Gote nur einer von jenen Schändlichkeiten ergeben ist, denen alle oder beinahe alle Römer zumal frönen !"
Rom
313: das Mailänder Edikt stellt die christliche Religion gleich.
354: Konstantin II. verbietet heidnische Kulte, Christentum wird alleinberechtigt.
380: Christentum wird Staatsreligion unter Theodosius dem Großen
Morgens vanatru und abends ingwaz

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Bragi« (20. November 2008, 23:26)


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