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Wenn sich die Welt selbst zerstört, dann fängt es so an: Die Menschen werden zuerst treulos gegen die Heimat, treulos gegen die Vorfahren, treulos gegen das Vaterland: sie werden dann treulos gegen die guten Sitten, gegen den Nächsten, gegen Frauen und gegen Kinder. - Ernst Moritz Arndt (1769-1860) -

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Sonntag, 4. Oktober 2009, 18:59

Kunst und Heimat

Eine Glosse von Soslan Khan Aliatasi


Heimat – welch wunderschönes Wort. Ein Wort, das mehr bedeutet als nur den Platz, an dem man lebt. Ein Begriff, den in dieser Tragweite nur unsere deutsche Muttersprache kennt. Schon vor vielen Jahren schrieb ich – als ich fern von Österreich in den USA lebte: »Heimat – das klingt wie das Schlagen des Herzens eines geliebten Menschen.« Das kann vermutlich nur jemand nachempfinden, der jemals seine Heimat verlassen hat – oder noch schlimmer: verlassen mußte. Heute schämen sich viele Menschen dieses Begriffes. Sind sie aber in der Fremde, dann freuen sie sich, jemanden aus der Heimat zu treffen… Was hat das mit Kunst zu tun? Ich glaube recht viel. Auch Kunst kann dieses Gefühl des »Daheim-Seins« vermitteln. Doch da sind wir beim Dilemma der sogenannten »modernen Kunst«. Wo nichts Gegenständliches mehr erkennbar ist, die Menschen herausgetreten sind oder aber grauenvoll verzerrt dargestellt werden, da befindet man sich in der Eishölle des lebensverneinenden Zynismus. Wo Lebensverneinung ihren Einzug gehalten hat, da kann keine Heimat sein – da wird der Betrachter ins Nichts gestoßen.

Ist es denn nicht genug, wenn der Mensch in einer Zerrissenheit leben muß durch die »Globalisierung« und durch den Verfall, ja die Zerstörung von Werten, die einem Volk seine Identität gegeben haben? Frech wird verhöhnt, was viele Generationen von Menschen an kultureller Identität und menschlichen Werten aufgebaut haben, und dem Menschen wird »der Spiegel vorgehalten«. Allerdings ist es ein Zerrspiegel. Liegt das an einer Lebenshaltung dieser »Künstler«, liegt es an der Anpassung an ein oktroyiertes Denkmodell– oder liegt es schlichtweg am mangelnden malerischen Können und der kreativen Impotenz? Ich glaube, es ist von alledem etwas. Viele Künstlerkollegen (ich selbst bin nicht nur Schriftsteller, sondern vor allem Maler) haben oft genug das technische Können. Warum verfertigen sie dann diesen Kulturmüll? Ein lieber Kollege aus Aachen hat es mit wenigen Worten ausgesprochen: »Ich muß von etwas leben. Und wenn ich etwas zum Leben verdienen will, dann muß ich mich dem anpassen, was die Kritiker in den Himmel loben.« So einfach ist das. Das aber heißt, daß scheinbar nur die Kritiker und Galeristen wissen, was Kunst ist und wie sie zu sein hat, und eine Lobby bilden, die willigen Käufern etwas anbietet. Dieser Lobby schenkt der Käufer Glauben und erwirbt den Kulturmüll als Wertanlage. Heute wird also Kunst nicht gekauft, weil das Werk den Käufer anspricht, weil es ihm Freude bereitet, sondern aus pekuniären Gründen. Mit Kunstverständnis hat das natürlich nichts zu tun. Weiters wird realistischer und naturalistischer Kunst – politisch völlig inkorrekt – das »Faschismusmäntelchen « umgehängt, damit nur ja niemand – aus politischen Gründen – an der Kultur der Heimat Freude empfindet und sie schätzt. Das läuft nach dem ewig gleichen Strickmuster ab…

»Je weniger heimatliche Kultur – umso politisch korrekter«. Je mehr an Heimatverbundenheit untergeht, umso leichter glaubt man, die Menschen beherrschen zu können – was leider durchaus stimmt, denn der Entwurzelte ist leicht zu manipulieren. Der Leser kann sich selbst einen Reim darauf machen, welche politischen Gruppierungen und Mächte dahinterstehen. Dagegen müssen wir entschieden gegensteuern – so schwierig das auch scheinen mag.

Wie kann man gegensteuern? Das ist leichter, als es den Anschein hat. In unserer Heimat gibt es viele Künstler, die durchaus gute Kunst vollbringen und die gerne heimatverbundene Kunst und Kultur pflegten – wenn sie auch gekauft würde. Die Heimatverbundenheit muß sich auch in Kunstankäufen eben solcher Werke widerspiegeln. Dazu braucht es weniger Geld als Mut. Mut, zur Heimat zu stehen und Mut, gute Kunst auch als gut zu erkennen und zu kaufen. Für die realistisch malenden Künstler muß es auch wieder eine Käuferschicht geben, die mehr auf Qualität der Werke achtet denn auf die Wertsteigerung derselben. Findet diese gute, realistische, heimatverbundene Kunst wieder Käufer, so wird sich die Wertsteigerung von selbst ergeben! Das sogenannte »Multikulti« ist keinerlei Bereicherung der Kultur, sondern vielmehr deren Abwertung. Fremde Kulturen haben die europäische Kunst reicher gemacht – aber das war nicht »Multikulti« – sondern das war immer höchststehende Kunst anderer Völker.



(Mein Artikel ist bereits in der Akademikerzeitschrift der FPÖ “Aula” erschienen)

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